Nr. 208 – Das Problem mit der Lösung

Jedes Ihrer Gefühle kann in Sekundenschnelle zu einem Problem werden. Sie brauchen das Gefühl nur als Problem zu sehen, es "ein Problem" zu nennen oder - etwas versteckter - nach einer Lösung zu suchen.

Das Gefühl, welches jetzt ein Problem ist, befindet sich nun in einer unübersichtlichen Lage.

Wenn es sich zeigt, wird es als eine Belastung gesehen und es gesellen sich Schuld und Scham hinzu; und das Gefühl, falsch oder "krank" zu sein. Eine wenig aufbauende Erfahrung für es.

Wenn es sich nicht mehr traut sich zu zeigen, wird es dem Gefühl langsam einsam, kalt, und es wird mit der Zeit starr und schmerzhaft.

Wir komme ich aus diesem Dilemma heraus? Es gibt einen Schritt im Focusing, der aufdecken kann, was ein Gefühl von Ihnen braucht. 

Habe ich also beispielsweise ein Gefühl, das stark auf meinem Herzen lastet und voller Druck ist, und ich es als Problem sehe und nach einer Lösung suche ... so wird das Gefühl sicherlich stärker und stärker, in einer unangenehmen, bedrohlichen Art und Weise.

Es wird anfangen, mich in meinem Alltag zu beeinträchtigen und immer wieder versuchen auf sich aufmerksam zu machen.

Befreie ich mich dagegen aus der Sichtweise, hier einem Problem gegenüberzustehen, und interessiere ich mich für es, so wird mit der Zeit (damit meine ich verschiedene Schritte des Focusing) die Möglichkeit entstehen, es in folgender Weise einzuladen:

  • "Vielleicht magst du mir mitteilen, was du im Kontakt von mir bräuchtest..."

Tun Sie dies und ist die Zeit reif, so werden Sie beispielsweise Sätze dieser Art hören:

  • Ich möchte nicht mehr abgelehnt werden
  • Ich möchte nicht mehr an allem schuld sein
  • Ich möchte endlich da sein dürfen
  • Ich möchte endlich fühlen, dass ich liebenswert bin
  • Ich möchte einen Platz haben und meinen Raum einnehmen dürfen

Hier spricht ein Teil von Ihnen, der die Möglichkeit spürt, sich endlich aus der Logik von Problem und Lösung zu befreien.

Lassen Sie ihn wissen, dass Sie hören und verstehen, was hier gesagt wird. Nehmen Sie das Anliegen ernst und fragen Sie sich:

  • Wie genau kann ich das tun, etwas in mir nicht mehr abzulehnen und nicht mehr an allem schuld sein zu lassen - und stattdessen Raum zu geben und wertzuschätzen, was dieser Teil zu sagen und beizutragen hat?

Der Teil in Ihnen, dem Sie in dieser Art zuhören, wird es Ihnen danken - mit mehr Lebensenergie, Berührung, Erleichterung, Zugehörigkeit, Fülle, Freude und dem Gefühl, vollständiger und lebendiger zu sein.