Nr. 169 – Das verbotene Lebenselixier

Es gibt ein Lebenselixier, das für viele Menschen verboten ist: „Das darfst du nicht, sonst …“ – „Wir erwarten von dir …, sonst …“! Durch die Regeln und Verbote ist es unmöglich, direkt an das Lebenselixier heranzukommen – und trotz Erfindungsreichtum kann es schwierig sein, auch nur Reste von dem zu bekommen, was ich eigentlich unbedingt benötige.

Vor einigen Wochen begegnete mir dies sehr direkt in einer Sitzung. Einfach nur zu sein, in der Natur, in Stille, zusammen mit dem geliebten Hund; dies war das Lebenselixier, was nie wirklich sein durfte.

Stattdessen sollte gearbeitet werden. Wer nicht die ganze Zeit arbeitete, Geld verdiente oder mit „etwas Sinnvollem“ beschäftigt war, der wurde kritisiert, nutzlos zu sein.

So tun als ob

Meine Klientin, die mit mir in dieser Sitzung war, fand als Kind eine Lösung darin, so zu tun als ob sie etwas tun würde – um in diesem leeren Tun ein wenig Erholung zu finden.

Sie können sich vielleicht vorstellen, wie anstrengend das gewesen sein musste, etwas nicht zu dürfen und dann so zu tun, als ob man jemand anderes sei (Ich kenne das aus eigener Erfahrung) – und wie schwer diese Vorgänge auch heute noch zu erkennen sind: Wie wir uns selbst belügen, was wir eigentlich gerne tun oder nicht tun würden; und wie leicht es ist, solche Muster auszunutzen.

Wenn ich ehrlich bin

Ich höre solche Zusammenhänge oft in Sitzungen, wenn jemand sagt „Wenn ich ehrlich bin, dann …“ oder „Wenn ich WIRKLICH ehrlich bin, dann …“ – Diese Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist wichtig; auch wenn im Moment niemand anders davon erfährt, ich bin ehrlich zu mir selbst.

Sein zu dürfen, ohne etwas anderes tun zu müssen, das ist sicherlich ein Lebenselixier für viele Menschen, denen ich in meiner Arbeit begegne. Es ist wie ein großes Aufatmen aller inneren Anteile – ein Aussteigen aus dem ständigen Funktionieren, dem chronischen Tun auf Autopilot. 

Sich Zeit lassen

Im Focusing finden sich echte Lösungsschritte meist in kleinen, feinen Schritten; denn das, was ich eigentlich sein oder tun wollte, ist durch die lange Zeit der Vernachlässigung ganz verkümmert, unbekannt und nur noch vage zu spüren. Sich Zeit zu lassen ist der Schlüssel, sowie einfach offenherzig und zugewandt mit den Dingen zu sein, wie sie in mir auftauchen.