Tipps & Tricks Nr. 9 –Selbstkommentare, wie gehe ich damit um?

In Focusing-Tandems kommt es manchmal zu folgender Situation:

„Wenn ich begleite, dann höre ich des öfteren Kommentare wie zum Beispiel ‚Ich weiß nicht was das soll‘ oder ‚Ich bin nicht sicher‘. Mir ist nicht klar, wie ich damit am besten in der Begleitung umgehen sollte. Ich weiß nicht, wie ich das reflektieren kann.“

Reflektieren ist eine der effektivsten Methoden, um sich mit neu auftauchenden Aspekten zu verbinden und diesen dann zu helfen, sich zu artikulieren. 

Reflektiert zu werden ist ungewohnt

Nur reflektiert zu werden ist aber auch ungewohnt. Es wirft mich komplett auf mich selbst zurück. Deshalb ist Focusing in dieser Form auch nur etwas für Menschen, die wirkliches Interesse an sich selbst haben und lernen wollen, sorgfältig mit sich selbst umzugehen. Eine Reflektion wird nur wirksam, wenn ich sie aktiv höre und dazu nutze, mich weiter zu klären: Ist es das schon? Oder ist da noch mehr? Was entwickelt sich hier? Wie kann ich dies mitgestalten? Welcher Schritt ist als nächstes gangbar?

Unsicherheit 

Selbstkommentare der genannten Art zeigen meiner Erfahrung nach einfach nur etwas Unsicherheit, sich in diesem noch ungewohnten Raum zu bewegen. Wir lernen es ja erst, mit dieser merkwürdigen Person umzugehen, die wir sind.

Was Sie vielleicht normalerweise mit Fragen, Kommentaren oder allerlei Interaktionen verdecken, das rückt jetzt ins Zentrum Ihrer Aufmerksamkeit. Sie merken, dass Sie ersteinmal sprachlos sind und nicht weiter wissen oder noch nicht einordnen können, was sich Ihnen zeigt.

Offenheit

Gleichzeitig brauchen Sie diese Offenheit und die Verwirrung, um überhaupt auf neue und passende Ideen zu kommen; und deshalb ist es meiner Meinung nach sinnvoll, Kommentare dieser Art (es gibt Arten, bei denen das anders ist) als „schmückendes“ Beiwerk hinzunehmen – und zu ignorieren.

Was bedeutet das nun für die konkreten Beispiele?

Sie reflektieren ausschließlich die Beschreibungen, die zuerst da waren oder auf die sich der Kommentar bezieht. Die Kommentare selbst werden nicht reflektiert.

Beispiel 1:

  • Focuser: „Ich weiß nicht was das jetzt soll, aber ich spüre wie traurig und erschöpft es ist.“
  • Begleitung: „Sie spüren jetzt, wie traurig und erschöpft es ist.“

Beispiel 2:

  • Focuser: „Ich bin mir nicht sicher, aber da ist irgendwie so viel Enttäuschung darüber, wie er mit mir umgegangen ist.“
  • Begleitung: „Sie spüren, wie etwas in Ihnen so enttäuscht ist darüber wie er mit Ihnen umgegangen ist.“

Ziel der Reflektion

Vielleicht stimmen Sie zu: Der Focuser braucht nicht zu wissen „was das soll“ und sie muß auch jetzt nicht „sicher sein“. Ganz im Gegenteil! Wenn Sie es so wie in diesen Beispielen reflektieren, dann unterstützen Sie den eigentlichen Prozess der jetzt gerade da ist (traurig und erschöpft; enttäuscht) und helfen damit, dass Vertrauen entstehen und es sich aus der eigenen Wahrheit heraus weiter mitteilen kann. Was würde passieren, wenn Sie „schon wüßten“ oder „ganz sicher“ wären? Wahrscheinlich nicht viel; denn dann gäbe es wohl wenig Interesse daran, weiter sorgfältig zuzuhören.