Tipps & Tricks Nr. 89 – Etwas, das leicht übersehen wird

Etwas, das leicht übersehen wird, wenn mit Problemen aller Art gearbeitet wird, ist das, was gut läuft. Das, was gut läuft, erscheint dann unbedeutend zu sein; denn müsste ich nicht meine Probleme zuerst lösen? Sind die Probleme nicht das einzig Wichtige? 

Focusing zu erlernen beginnt bei mir immer mit dem Konzept der Präsenz. Präsenz ist die Fähigkeit, sich allem in mir zuwenden zu können und (mit der Zeit) in einen guten Kontakt zu kommen. Daraus kann dann ein tiefer innerer Dialog entstehen, in dem sich neue Möglichkeiten in alten Problemen ergeben.

Als erstes steht aber die Aufgabe, ein wenig mehr dieser Präsenz im Körper zu erleben, also zum Beispiel ein wenig mehr Ruhe, Geduld, Interesse, Offenheit als normal. Auch geht es darum zu erkennen, welche dieser Qualitäten eigentlich vorhanden oder relevant sind. 

Wenn mir dies gelingt, im Innehalten und Beschreiben, dann fange ich an, Neues über mich zu erfahren. Ohne viel Umschweife habe ich dadurch etwas in mir gepflegt und gestärkt, was leicht zu übersehen ist: Das, was sich gut anfühlt.

Das, was stimmig, passend, gut ist, ist wie eine stabile Grundlage, auf der ich stehe. Ohne diese Grundlage wird es schwierig; und Focusing funktioniert dabei wie ein Vergrößerungsglas; Sie brauchen den Fokus nur auf die kleinen, alltäglichen (oder nicht alltäglichen) Begebenheiten zu lenken, die sich gut anfühlen. Im Focusing fangen diese sich an zu entfalten, spürbar zu werden und mitzuteilen. Aus Nichtigkeiten können wichtige Prozesse entstehen, die mir zum Beispiel zeigen, was mir wichtig ist, was mich motiviert, was weitergelebt werden möchte.

Was wird wohl als erstes passieren, wenn Sie dies versuchen? Ihnen wird erstmal vielleicht nichts einfallen. Dann, erst nach einiger Zeit des Spürens, kommt Ihnen die eine Begegnung in den Sinn, die Sie schon vergessen hatten; ein schöner Moment, ein Augenblick, kurz und schon vergessen. Sobald dies passiert, nehmen sie sich Zeit, diesen Moment detailliert zu beschreiben, ihm Raum zu geben und in Ihnen wieder leben zu lassen. Laden Sie das entstehende Gefühl ein, soviel Raum einzunehmen, wie es das braucht. Und seien Sie neugierig …