Tipps & Tricks Nr. 8 – Ich beschreibe nur körperliche Symptome oder Verpannungen

In den ersten Versuchen mit Focusing, manchmal aber auch nach längerer Zeit des Übens, kommt folgende Frage auf:

„Wenn ich mich mit einem Problem oder Thema auseinandersetzen möchte, dann beschreibe ich ersteinmal alles in meinem Körper, was dazu auftaucht. Allerdings bleibe ich nach einer Weile in der Beschreibung meiner Symptome oder körperlichen Verspannungen stecken und es passiert nicht mehr.“

Es ist tatsächlich ein weitverbreitetes Mißverständnis, hauptsächlich den physischen Körper im Focusing zu beschreiben. Es kann dann vorkommen, dass Sie nur von einer Körpersensation zur nächsten springen und dabei niemals zu einer tieferen Bedeutung vordringen. Bildlich gesprochen bleiben Sie dann auf der Oberfläche eines unbekannten Gewässers; alles außer der Oberfläche bleibt trübe und unverständlich.

Wenn es nicht weitergeht: Kopf anschalten und aktiv in Beziehung gehen

Natürlich kann es ein guter erster Ansatzpunkt sein, Symptome und Verspannungen zu beschreiben, um sich einem Thema zu nähern. Wenn Ihnen dies also leicht fällt: Nur zu. Versuchen Sie dann aber genau den Punkt mitzubekommen, den Sie selbst schon beschrieben haben: „Es passiert nichts mehr.“

Dieser Punkt tritt immer wieder im Focusing auf, und nicht nur da: Wenn Sie eine Sache gründlich durchdenken, einen Text schreiben oder nach einer Lösung suchen – immer kommen diese toten Punkte vor. Der Trick ist, solch einen Punkt bewußt mitzubekommen und dann aktiv in Beziehung damit zu gehen.

Etwas komplett Anderes einladen

Im Falle Ihres Problems – zu viele rein phyische Bescheibungen, die zu nichts führen - ist es eine gute Idee, innezuhalten und etwas komplett Anderes als das schon Beschriebene einzuladen. 

Sie merken zum Beispiel, dass alle Beschreibungen Ihrer Symptome irgendwie bedeutungslos oder leer sind. Diesen Punkt müssen Sie mitbekommen!

  • Sie können zum Beispiel sagen: „So, das ist jetzt genau wieder dieser Punkt, an dem es sinnlos wird.“
  • Versuchen Sie es dann einmal so: „Gut, all das kann ich also beschreiben ... und jetzt nehme ich mir Zeit, ein Gefühl dazu einzuladen, ersteinmal ohne Worte ... ein Gefühl, was DAS ALLES wirklich hier und jetzt für mich bedeutet.“

Verbinden Sie sich dann mit dem Gefühl von „All Dem“ und verweilen Sie genau dort, wo Ihnen Bedeutungen und Worte noch fehlen. 

Seien Sie neugierig, ob neben den Symptomen noch andere Eindrücke auftauchen, vielleicht eine emotionale Färbung, eine Erinnerung, eine Bewegung, ein Bild, ein Symbol, eine Bedeutung , ein Verstehen. All diese neuen Eindrücke komme in der Regel mit einem Gefühl von Frische, Erkenntnis („Aha!“), Erleichterung, Dankbarkeit, Energie oder manchmal Gänsehaut. Beschreiben Sie was immer auftaucht; egal, wie vage oder unbedeutend es erscheinen mag. Wenn Sie das tun, dann haben Sie einen wichtigen, neuen Schritt im Focusing zulassen können, der eine größere Vielfalt im Erleben und Verstehen lebendig werden lässt. Und das ist natürlich nur der Anfang ;)

Eine Metapher einladen

Eine andere Möglichkeit ist es, eine Metapher für all das zu finden, was Sie schon beschrieben haben. Vervollständigen Sie dazu folgenden Satz: „All das, was ich jetzt wahrnehmen kann, fühlt sich an wie ....“ Auch hier geht es darum, zu warten. Sie raten nicht, was es denn sein könnte, sondern Sie lassen eine Metapher auftauchen. „Das hier fühlt sich an wie ...“

Metaphern sind wichtig im Focusing. Sie haben Bedeutung und sind lebendiger als Konzepte und Bewertungen. Wer mehr über Metaphern wissen will, sollte sich vielleicht den Film „Der Postmann“ (Il Postino), basierend auf dem Roman „Mit brennender Geduld“ von Antonio Skármeta anschauen. Einfach köstlich, wie Mario Ruoppolo am Strand seine erste Metapher findet und Pablo Neruda ihn erst noch darauf hinweisen muss, damit er es wirklich glaubt. So geht es auch manchmal im Focusing zu ;)