Tipps & Tricks Nr. 77 – Wenn die eigenen Bedürfnisse nicht zählen

Focusing ist eng damit verbunden, sich einen eigenen Raum zu gönnen. Ich muss dann nicht impulsiv handeln, sondern habe Raum für eigene Gedanken, eine eigene Meinung oder für mein eigenes Gefühl zu etwas.

Sich solch einen eigenen Raum zu erlauben scheint allerdings oft ein fast undurchführbares Abenteuer zu sein. Eine Form sich keinen Raum zuzugestehen ist es, über die eigene Idee, das eigene Gefühl, den eigenen Gedanken schnell hinüber zu huschen.

Es ist so einfach, das leichte Unwohlsein zu ignorieren. Was soll das schon bedeuten? Oder es scheint so gefährlich zu sein, dem eigenen, noch vagen, Fühlen Raum zu geben. Was würde dann wohl passieren? Oder ein wiederkehrender Gedanke erscheint als störend - er passt einfach nicht in das, wie ich mich sehe.

Automatisches Wegsehen

Oft genug ist es schwierig, „so etwas“ überhaupt ernst zu nehmen. Wegzusehen ist dann viel einfacher. Dieses automatische Wegsehen haben Sie vielleicht schon in der Kindheit gelernt, wenn die eigenen Bedürfnisse, die eigenen Gefühle oder die eigene Meinung nicht zählte; oder wenn die eigenen Bedürfnisse von den Menschen um Sie herum als eine Belastung wahrgenommen wurden.

In manchen Familien ist einen eigenen Raum zu haben richtiggehend verpönt. Etwas Eigenes zu tun oder zu denken wird als Angriff auf die „Harmonie“ in der Familie und potentiellen Konfliktherd gesehen.

Leider wird damit oft der eigene Raum von Anfang an verlernt, den wir eigentlich haben sollten. Einen Raum, der dazu dient, mich selbst in jeglicher Situation zu kennen: Mich zur Verfügung zu haben.

Erkennen: Ich weiß noch nicht …

Dieses Kennen bedeutet in meiner Erfahrung oft erst einmal, dass ich meine momentane Unfähigkeit erkenne, zu wissen wie es weitergehen soll: Es gibt dann keine schnellen, einfachen Lösungen, sondern vielmehr einen Prozess der Reifung und Gestaltung.

Einen eigenen Raum zu besitzen ist nicht immer einfach. Ich erkenne darin, dass es nicht immer nur klare Antworten gibt. Sich Zeit mit etwas zu lassen ist daher so charakteristisch für den eigenen Raum im Focusing: Ich lasse zu, dass es sich entwickeln und Form annehmen kann. Ich kann abwarten und diesem Prozess beiwohnen.

Indem ich mir Zeit lasse, mit mir in dieser konstruktiven Art und Weise zu sein, fange ich an Gestalt anzunehmen. Ich bin dann nicht mehr auf der Suche nach klaren und konfliktfreien Antworten auf die Fragen in meinem Leben. Vielmehr finde ich eine vertrauensvolle, tiefe Art mit mir selbst im Kontakt zu sein.

Die Fokuskarten 2 und 5 aus dem Übungssystem "Die Focusing-Karten 1"

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