Tipps & Tricks Nr. 74 – Ein Zauberwort für die Angst

Wenn etwas in mir ängstlich ist und ich mir dessen nicht gewahr werde, dann schaue ich quasi durch dessen Augen. Das, was es sieht, sieht beängstigend aus oder ist nicht auszuhalten.

Das, wovor es Angst hat, kann zum Beispiel eine Situation oder ein Gefühl sein. Angst vor Trauer. Angst vor der Stille. Angst vor existenziellen Themen wie die eigene Sterblichkeit. Angst vor Trennung, Angst vor dem Alleinsein. Angst vor der eigenen Kraft. Angst vor der Reaktion anderer Menschen.

Ängste haben das Leben im Griff

Ängste sind etwas, was das eigene Leben im Griff hält und bestimmt. Es geht dann in der Hauptsache darum, nicht hinzuschauen. Wenn ich Angst vor der Stille und dem Alleinsein habe, dann ist mein Leben erfüllt davon, wegzulaufen und nicht hinzusehen. Ich fülle es mit allem anderen, nur nicht mit Stille und nur nicht mit Alleinsein.

Der Wunsch, sich endlich zu stellen

Als ich mit Mitte 20 angefangen habe zu meditieren (Vipassana) habe ich starke Angstzustände erlebt, die ich vorher nicht kannte. Mir war das damals nicht klar, aber der Wunsch zu meditieren war ein Ausdruck davon, mich endlich mir selbst zu stellen. Dies war der einzige Weg, mit den Aspekten von mir, die beängstigend waren, in einen ersten Kontakt zu kommen – und so mehr Verständnis und Bewegungsmöglichkeiten in meinem Leben zu bekommen.

Mich stellen: 3 Fliegen mit einer Klappe

Das Zauberwort für den Umgang mit der Angst ist „sich zu stellen“. Im Focusing verwende ich dieses Wort synonym für die Schritte, die Sie auf den Aktivitätskarten 7 und 8 finden. Indem ich mich stelle, erkenne ich drei Dinge an; zum einen das, was Angst hat und das, welches DESHALB beängstigend aussieht. Zum anderen, dass ich innehalte, mich zuwende und mich für beide interessiere und da bin.

Aktivitätskarten 7 und 8 (aus "Die Focusing-Karten 1")

Das Sich-Zuwenden hat bei Themen, die mit Angst durchtränkt sind, einen sehr speziellen Charakter. Es ist, als ob Sie alle Kraft aufwänden müssen, um überhaupt in die Richtung dessen blicken zu können, was so beängstigend ist. Diese Qualität bleibt längere Zeit erhalten, auch wenn Sie schon öfters einen guten Kontakt erlebt haben sollten.

In meiner Erfahrung kann es deshalb sehr hilfreich sein, wenn Sie bspw. von Ihrer Begleitung hören „… und nimm dir Zeit, inne zu halten, stehen zu bleiben, und dich all dem zu stellen.“ (der Angst und dem Beängstigendem). Sich zu stellen macht es in meiner Erfahrung oft leichter möglich, sich zuzuwenden und gleichzeitig in den Kontakt zu gehen.

Kontakt und Kennenlernen

Direkt folgen sollte m.E. immer das detaillierte Beschreiben, hauptsächlich damit Sie selbst in dieser Beziehung aktiv, lebendig und interessiert bleiben. Das detaillierte Beschreiben mit vielen Reflektionen Ihrer Begleitung hilft dabei, zugewandt zu bleiben – und so mehr und mehr in einen echten Kontakt zu kommen, der nicht mehr von Angst bestimmt ist. 

Die Begleitung kann dies immer mal wieder in etwa so einladen: „… und vielleicht magst du es möglichst detailliert beschreiben, in allen Einzelheiten, so als ob du DURCH das Beschreiben etwas mehr Abstand UND Kontakt einladen / herstellen kannst.“ So kann der Focusing-Prozess gut weiterlaufen, von „Ich sehe dich“ hin zu „Ich stelle mich dir“ bis zu „Ich möchte dich kennenlernen“.

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