Tipps & Tricks Nr. 7 – Ich mache Focusing nur, wenn es mir gut geht

Immer mal wieder steht folgendes Thema am Anfang einer wirkungsvollen Focusing-Praxis:

„Ich bin gestresst und mein Terminkalender ist voll. Ich komme einfach nicht dazu, einen Termin mit meinem Focusing-Tandem einzurichten; oder wenn wir einen Termin schaffen, dann weiß ich vor lauter Gedanken und Themen, die in meinem Kopf herumschwirren, nicht womit ich eigentlich arbeiten will.“

Wenn Sie in einer ähnlichen Lage sind, lesen Sie diesen Text bitte bis zum Ende durch; es sind nur ca. 600 Wörter und die durchschnittliche Lesezeit beträgt ca. 3 Minuten – und Sie werden danach wissen, wie Sie vorgehen können.

Tageslaufanalyse

Nehmen Sie sich das hier erhältliche PDF und füllen Sie es für einen typischen Arbeitstag aus. Wichtig ist es, die Belastung einzuordnen, die in den jeweiligen Tagesabschnitten auftritt. Ein Minus steht für kraftraubende Situationen, ein Plus für Stärkendes und ein Kreis für Neutrales.  Seien Sie ehrlich zu sich selbst – wie verläuft ein typischer Tag, an dem Sie kein Platz für 15-30 Minuten Focusing finden?

Überlegen Sie nun, wo in diesem Tagesablauf Platz wäre für eine halbe Stunde, die Sie nur für sich haben können. Dies ist ein interessanter Punkt. Vielleicht haben Sie solche Zeiten schon, z.B. wenn Sie joggen, meditieren oder ein Buch lesen. Vielleicht entdecken Sie, dass Sie gar keine geregelten Zeiten für sich eingeplant haben. In diesem Fall ist Ihre Tagesbilanz am Ende des Tages wahrscheinlich negativ.

Denken Sie auch darüber nach, was Sie insbesondere in den Übergängen des Tages tun; bspw. wenn Sie von der Arbeit nach Hause kommen, nachdem Sie die Kinder ins Bett gebracht haben etc. – was tun Sie dann? Wenn Sie feststellen, Sie hängen sich gewohnheitsmäßig vor den Fernseher, so stellen Sie sich die Frage: Wäre dies ein guter Moment, eine Änderung einzufügen und eine halbe Stunde Focusing einzuplanen? Würde mir das gut tun?

Finden Sie eine oder zwei solcher Stellen in Ihrer Tageslaufanalyse, dann geht es im nächsten Schritt darum, ein Focusing-Tandem zu organisieren. Denn Focusing funktioniert, genau wie Tanzen, einfach besser zu Zweit.

Feste Termine und Zeitrahmen

Feste Termine und ein klarer Zeitrahmen helfen, sich regelmäßig mit einer Sache zu beschäftigen. Sie sind ja dabei, etwas in Ihren Alltag zu integrieren – und es braucht Zeit, um solche neuen Gewohnheiten zu entwickeln

Seien Sie also klar mit der Dauer Ihres Focusing. Am Anfang reichen Ihnen vielleicht 15 Minuten für eine Sitzung. Danach führen Sie die Rückrunde durch, und so kommen Sie insgesamt auf 30 Minuten. Sobald Sie merken, Sie sehnen sich eigentlich mehr von dieser Zeit mit einer hohen Aufmerksamkeitsqualität, dann können Sie die Zeit immer noch verlängern.

Klare Abgrenzung

Bleiben Sie auch klar in Ihrer Abgrenzung zu Anderem. Führen Sie in der geplanten Zeit möglichst nur Focusing durch. Vermeiden Sie es, zu klönen oder sich anderweitig auszutauschen, denn dann kommen Sie nur in alte Gewohnheiten (sich beschweren, lästern, diskutieren, analysieren, ...). Das können Sie immer noch in einem separaten Treffen machen. Vermeiden Sie es auch möglichst, nach der Sitzung über die im Focusing aufgetauchten Inhalte zu sprechen oder Prozesse zu kommentieren.

Bequemlichkeit

Machen Sie es sich bequem. Ja, Sie können sich natürlich auch persönlich treffen wenn Sie nicht weit auseinander wohnen; heutzutage sind Focusing-Sitzungen über Skype, Google usw. gängige Praxis. Sie brauchen nicht reisen und haben keine weiteren Kosten – und können es sich bequem machen.

Welche Themen?

Wenn Sie Schwierigkeiten haben, überhaupt zu einem Thema zu gelangen, dann können Sie Focusing in erster Linie dafür benutzen, aus Stress und Hektik aufzutauchen und zu sich zu kommen. Dafür können Sie die Idee des Zoom Out benutzen oder einfach nur beschreiben, wie sich dieser Zustand anfühlt. Seien Sie neugierig, was sich dann verändert.

Sie können Focusing auch dazu benutzen, um Themen zu finden. Nehmen Sie dafür ein Blatt Papier und schreiben Sie aus dem Focusing heraus alle Themen auf, die sich zeigen. Schauen Sie dann die Liste an und nehmen Sie wahr, welche der Themen wichtiger oder aktueller erscheinen. 

Herausforderung und Experiment

Sie können auch einen Schritt weiter gehen und sich etwas herausfordern, indem Sie genau das in Präsenzsprache bringen was Sie vom Focusing abhält: „Ich nehme etwas in mir wahr, das jetzt keine Lust darauf hat.“ Wenden Sie sich diesem Aspekt zu, und seien Sie neugierig.

Klärung der Intention

Die Klärung Ihrer Intention kann ein wichtiger Schlüssel sein, um eine wirkungsvolle Praxis zu entwicklen. Vielleicht passt eines dieser Beispiele? Wenn nicht, welche wären passender für Sie selbst?

  • Mehr Ruhe und Gelassenheit entwickeln
  • Neue Perspektiven auf sich wiederholende, blockierende Muster bekommen
  • Weniger Bewertungen und Attacken erleben
  • Mich selber besser kennenlernen
  • Besser mit mir und anderen umgehen können
  • Weniger Konflikte mit XYZ erleben
  • Wissen, wie ich eigentlich leben oder arbeiten möchte