Tipps & Tricks Nr. 68 – Die Geschichte von dem Mann, der sich neue Augen wünschte

Einmal war ich als junger Student in der Schweiz. Ich machte ein Praktikum an einer Schule, die mit „schwierigen“ Kindern und Jugendlichen arbeitete. Die Schule lag am Ende eines Tales und an einem der Wochenenden zog es mich nach Luzern.

Am Abend stand ich am Ende der berühmten Kapellbrücke von Luzern und trank den Anblick der Stadt am See förmlich in mich hinein. Das Licht der untergehenden Sonne war warm und weich, und das Leben fühlte sich gut und magisch an. In mir war eine ausgedehnte Ruhe, und dieses spezielle Gefühl; eine Mischung aus Freude, Lebendigkeit, Verbundenheit. Mein erster Besuch in dieser Stadt.

Ein Mann kam über die Brücke und ging langsam auf mich zu. Er begrüßte mich freundlich und schaute mit mir zusammen über die Brücke, den See und auf die Stadt. Dann wandte er sich mir zu. „Ich wohne hier schon mein Leben lang.“, sagt er und machte eine längere Pause, „Ich wünschte mir, dass ich auf meine Stadt schauen kann wie Sie, mit völlig neuen Augen.“

Erst als er dies sagte, wurde mir klar, wie froh ich war, hier zu sein. Das Leben war so besonders. Alles war neu, und faszinierend. Ich dachte, wie schade es sei, dass dieser Wunsch für ihn nicht in Erfüllung gehen kann. Wie könnte der Mann seine Stadt durch neue Augen sehen?

Wenn ich jetzt an diese Situation denke und Sie niederschreibe, dann kommt das Gefühl der Magie wieder in mir auf, wie eine Welle. Es ist, also ob dieses magische, neue Gefühl wieder in mir lebt. Ich bin wieder in der Situation von damals und doch hier. In mir kommt das Gefühl auf, wie es ist, etwas mit völlig neuen Augen zu sehen. So, als ob es das erste Mal ist.

Mir wird klar, dass dieses Gefühl immer möglich ist. Ich denke jetzt an geliebte Menschen, an die ich mich schon sehr lange gewöhnt zu haben scheine. Ich sehe das Bild meines Großvaters an der Wand, das ich lange Zeit nicht mehr wirklich gesehen habe. Ich möchte ihn demnächst wieder besuchen, zusammen mit meiner Frau und meinem Sohn; sein Urgroßvater, sein Urenkel.

Ich schaue auf dieses Bild zum ersten Mal seit langer Zeit mit diesem neu entstandenen Gefühl von damals: So etwas wie „Ich sehe dich zum ersten Mal!" Ich merke, wie Verbundenheit, Zuwendung, Ruhe, Liebe in mir entsteht – wie so oft im Focusing.

Ja, neue Augen sind möglich. Sie sind dieses Gefühl in mir.

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