Tipps & Tricks Nr. 65 – Bin ich blockiert, wie mein Coach sagt?

Jemand stellt folgende Frage:

„Ich arbeite mit einem Coach an einem langfristigen Projekt und bin gerade in einer Phase, in der ich nicht vorankomme. Mein Coach hat eine klare Vorstellung davon, was als nächstes richtig für mein Projekt wäre und nennt mich ‚blockiert‘, weil ich dem nicht nachkommen kann. Dieser Blockade möchte er Methoden entgegensetzen, aber für mich sieht das alles anders aus: Meinem Gefühl nach passiert gerade etwas völlig anderes. Es entsteht ein wichtiger Teilschritt, den ich so nicht vorhergesehen hatte, und auf den ich mich konzentrieren möchte. Wie sehen Sie dieses Problem?"

Vielen Dank für diese Frage. Sie beschreiben, wie eine Situation entstanden ist, die von Ihrem Coach als „Blockade“ gesehen wird, die es zu durchbrechen gilt. Ihr eigenes Gefühl ist aber ganz anders, insbesondere weil ein unvorhergesehener Teilschritt in Ihrem Projekt entstanden ist.

Methoden

Mir ist es zuerst einmal wichtig zu sagen, dass ich mich nicht zu verschiedenen Methoden äußern möchte – „Coaching“ kann eine Vielzahl unterschiedlicher Ansätze beinhalten und der Verlauf hängt natürlich auch von den beteiligten Personen ab.

Trotzdem gibt es unterschiedliche Erfahrungen aus Coachings, in denen entweder klar wird, dass Raum und Zeit für das eigene, langsame Nachspüren/-denken gegeben ist, oder eben nicht. Focusing selbst kümmert sich auch wenig um Methoden, sondern vielmehr um das eigene (innere) Verhalten in egal welcher Situation.

Focusing wirkt daher immer ergänzend oder vertiefend – wie immer man ausdrücken möchte, dass der Kontakt mit sich selbst so wertvoll ist, um Klarheit zu erlangen.

Rücksicht auf das eigene Denken und Spüren

Wenn Rücksicht auf den eigenen Spür/Denk-Prozess genommen wird, dann erleben Sie Unterstützung und Flexibilität ohne ein gesetztes Ziel aus den Augen zu verlieren. Es gibt dann langsame, ruhige Phasen, in denen Sie um Beschreibungen ringen und sich neu artikulieren - und schnelle Abschnitte, in denen plötzlich Vieles an den richtigen Platz fällt.

Fehlt diese Rücksicht allerdings, dann ist es leicht möglich, den eigenen Prozess als „Blockaden“ oder „Widerstand“ diagnostiziert zu bekommen – und in Leistungsdruck zu geraten, oder das Gefühl nicht mehr richtig zu sein.

Missverständnis „Blockade“

„Blockaden“ werden auch im Focusing angeschaut. Wichtig ist hier aber die Ergebnisoffenheit. Dies sehen Sie zum Beispiel an dem Teilschritt in Ihrem Projekt, der unvorhergesehen aufgetaucht ist. Ich vermute mal, dass dieser Teilschritt noch gar nicht weiter besprochen wurde, und deshalb auch keine Rolle in der Lösung der „Blockade“ spielen durfte.

Unvorhergesehene Dinge, die plötzlich auftauchen, sind Botschafter. Sie wissen zum Beispiel, dass ein ganz anderer Teilschritt ZUERST ausgeführt werden sollte, damit Sie sich DANN mit dem Projekt völlig wohl fühlen.

Kein Wunder, dass Sie sich blockiert fühlen, wenn dieser Schritt keinen Raum und keine Relevanz bekommt!

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