Tipps & Tricks Nr. 51 – Wieso ist es wichtig, innerlich aktiv handeln zu können?

Jemand stellt folgende Frage:

„Ich konnte jetzt schon ein paar Mal die Erfahrung machen, dass es hilfreich ist, inneren Teilen im Focusing Raum zu geben. Was ich aber wirklich schwierig finde, ist den Raum mit freundlich, interessierter Anteilnahme zu halten. In diesem Zusammenhang interessiert es mich, was eigentlich das aktive innere Handeln ist, wenn man doch eigentlich nicht in den eigenen Prozess eingreifen sollte.“

Vielen Dank für diese Frage. Ich freue mich, dass Sie es als hilfreich empfinden, Ihren inneren Teilen Raum zu geben. Sie erleben, wie wichtig das ist; solch einen Raum zur Verfügung stellen zu können ist die Voraussetzung, um den verschiedene – oft in Konflikten verhafteten – Aspekten wirklich zuhören zu können.

Sie beschreiben, dass es im weiteren Verlauf einer Focusing-Sitzung dann schwierig ist, diesen Raum mit freundlicher, interessierter Anteilnahme zu halten. Genau an diesem Punkt, wenn Sie also den weiten inneren Raum verlieren, kommt das aktive innere Handeln ins Spiel. Ohne dieses Handeln würde Focusing zum Erliegen kommen und Sie selbst wären wieder in den Konflikten der einzelnen Aspekte gefangen, anstatt jedem einzelnen Aufmerksamkeit geben zu können.

Aktiv zu sein hat das Ziel möglichst genau zuzuhören und da zu sein

Sie haben Recht damit, dass mit einem aktiven Handeln im Focusing nicht ein Eingreifen in das Geschehen gemeint ist. Im Focusing möchte ich den einzelnen Aspekten, die ich in einer Situation erlebe, vielmehr möglichst genau zuhören können – und mit diesen in einen guten Kontakt kommen, ohne sie zu verändern. Es geht oft erst einmal darum, einfach nur da und dabei sein zu können.

Beispiele für aktives inneres Handeln

Um dies zu erreichen muss ich innerlich aktiv und handlungsfähig sein können. Zum Beispiel sind alle Selbstinstruktionen, die Sie im Focusing lernen, Schritte solch eines Handelns. Dies schließt zum Beispiel ein …

  • sich mit dem eigenen Körper zu verbinden;
  • einen weiten, akzeptierenden Raum zu schaffen;
  • einen Felt Sense einzuladen;
  • warten, wie sich etwas formt, was noch nicht artikuliert werden kann;
  • in Kontakt zu gehen;
  • zu begrüßen und anzuerkennen;
  • im Detail zu beschreiben;
  • wahrzunehmen, welche Art von Kontakt der Aspekt von Ihnen benötigt;
  • sich immer wieder neu zu öffnen und mit neuen Augen auf das Geschehen zu schauen;
  • sich nicht mit einem Teil zu identifizieren, der bewertet, Druck macht, manipuliert etc.

Dies sind nur einige Beispiele für aktives inneres Handeln. Es ist immer nur darauf ausgerichtet, Raum zu schaffen und eine wirkliche Beziehung mit dem eigenen Erleben herzustellen. Diese Beziehung hilft den Aspekten dann, sich von sich aus weiter zu entwickeln – oft in Richtungen oder Ausprägungen, die unvorhersehbar und überraschend sind.

Wie Sie sicherlich wissen, kann es richtige Arbeit sein, immer wieder in die Präsenz mit dem eigenen Erleben zu kommen, also fähig zu sein, mit egal was in mir auftaucht in einen guten Kontakt zu kommen. Das Handeln ist also nicht etwas, auf das Sie „warten“ können; Sie selbst müssen präsent sein, um sich in dieser Art und Weise zuwenden zu können.

Es geht darum, sich nicht vereinnahmen zu lassen

Wichtig ist mir dabei auch noch, dass es nicht darum geht, dass es Ihnen „besser“ geht oder Sie sich in Präsenz nur „gut“ fühlen. Stattdessen ermöglicht Focusing es Ihnen, ehrlich zu sehen, was wirklich da ist. Sie können Kontakt aufnehmen ohne sich von bestimmten Meinungen oder Bewertungen vereinnahmen zu lassen. Dadurch kann jegliches erleben  - vielleicht zum ersten Mal seit langer Zeit - so sein, wie es ist. Dies ist die Grundlage dafür, dass Sie wirklich hören können, was der Standpunkt eines spezifischen Anteils ist.