Tipps & Tricks Nr. 50 – Ich bin es gewohnt, Sicherheit nur im Außen zu suchen

Jemand stellt folgende Frage:

„Ich bin es gewohnt, Sicherheit nur im Außen zu suchen, über meinen Beruf oder dadurch, dass Andere mich anerkennen. Jetzt habe ich herausgefunden, dass diese Suche nach Bestätigung eigentlich nur von einem Teil in mir ausgeht. Ich frage mich, wie ich mit dieser Erkenntnis weiter umgehen kann. Ich merke, dass ganze andere Frage als gewohnt auftauchen, zum Beispiel: Wie kann ich mir vertrauen? Was macht mich eigentlich aus? Kann ich einfach so sein wie ich bin, ohne ständig etwas ‚extra‘ tun zu müssen?“

Vielen Dank für diese Frage. Sie beschreiben einen Punkt, an den viele Menschen kommen, die sich eine Zeit lang mit Focusing beschäftigt haben: Die Sicherheit, die wir im Außen suchen, wird weniger wichtig. Gleichzeitig ist das Vertrauen, nach innen horchen zu können und dort mehr als nur zufällige Eindrücke zu finden, noch am entstehen und wachsen.

Sicherheit im Außen gibt Halt

Natürlich ist eine Sicherheit im Außen zu haben m.E. weiterhin unerlässlich. Einen Beruf auszuüben (auch wenn dieser vielleicht gewechselt wird), Anerkennung von Kolleginnen und Kollegen zu bekommen, einen eigenen Verdienst zu haben – dies alles gibt Halt und oft erst die Möglichkeit, sich in Ruhe nach innen wenden zu können.

Freiheit durch mehr Möglichkeiten

Solange Sie Sicherheit jedoch fast ausschließlich im Außen suchen, solange bleiben andere Möglichkeiten verborgen; z.B. das Nachprüfen im Innen, oder das Entwickeln bzw. Wahrnehmen von neuen Wünschen oder Richtungen im Leben. Wenn Sie es dagegen schaffen, die verschiedenen Möglichkeiten (sozusagen: Innen und Außen) zu verbinden, dann bekommen Sie deutlich mehr Freiheiten.

Verbindungen schaffen: Sowohl als auch, Und

Sie würden sich dann davon sprechen hören, dass Sie zwar im Außen Sicherheit suchen, sich aber auch nach innen wenden können um zu prüfen: Was möchte ich? Wo geht es lang? Oder Sie freuen sich dann, wenn eine Entscheidung klar und einfach ist – und Sie können auch eine Phase willkommen heißen, in der Sie keine Ahnung haben, wo es gerade langgehen soll. Oder Sie erleben eine emotionale Reaktion in einem Konflikt – und bleiben offen dafür, was der Konfliktpartner zu sagen hat.

Sie schaffen dann ständig Verbindungen zwischen vorher scheinbar gegensätzlichen Ansätzen oder Sichtweisen.

Vertrauen

Das Vertrauen, das Sie ja auch ansprechen, ist eine wichtige Grundlage dafür. Vertrauen aufzubauen kann aber einige Zeit dauern. Es braucht Geduld; wenn Sie eine lange Zeit beispielsweise ausschließlich in der Suche nach Anerkennung von Anderen gelebt haben, dann ist das Vertrauen wohl schwach, im Innen etwas Gleichwertiges zu finden.

Stattdessen kommen vielleicht Zweifel auf. Zweifel sind aus meiner Sicht immer auch berechtigt; denn das Vertrauen kommt ja dadurch zustande, dass ich frei und konstruktiv überprüfen, kritisieren, in Zweifel ziehen darf.

Folgen Sie also gerne den neu auftauchenden Fragen, und dem neuen Interesse an Vertrauen sich selbst gegenüber – aber nicht als Gegensatz zu den äußeren Sicherheiten, sondern immer in Verbindung damit.