Tipps & Tricks Nr. 45 – Zu welcher Art Lösungen führt Focusing?

Jemand stellt folgende Frage:

„Ich erlebe schwierige Emotionen, z.B. Ärger oder Unsicherheit, wenn ich stark belastet und gefordert bin. Mit fällt es auch schwer, Grenzen zu setzen bzw. nicht immer alles perfekt machen zu wollen. Seit kurzer Zeit praktiziere ich Focusing und frage mich, was für Lösungen ich im Focusing diesbezüglich eigentlich erwarten kann. Bisher hatte ich immer die Vorstellung, dass die Probleme irgendwann weggehen würden.“

Vielen Dank für diese Frage. Sie beschreiben, wie Sie sich vorgestellt haben, dass die beschriebenen Probleme einfach weggehen würden – und dass dies im Focusing anscheinend so nicht funktioniert.

Focusing führt zu einer anderen inneren Beziehung

Wenn Sie Focusing praktizieren, so üben Sie in erster Linie eine neue Art inneren Handelns. Sie lernen, in Beziehung zu gehen mit all den feinen, differenzierten Aspekten dessen, was Sie im Moment vielleicht als „Ärger“ oder „Perfektionismus“ bezeichnen würden.

Focusing wird immer dann interessant, wenn Sie an folgendem Punkt sind: „Ich kann und möchte Zeit mit dieser gesamten, schwierigen Situation verbringen. Ich möchte erspüren und artikulieren, wie dies genau für mich ist und wie ES sich weiterentwickeln möchte. Ich bin interessiert daran, was ES mir mitteilen kann und möchte.“ – Im Focusing wenden Sie sich dem zu, was stockt, nicht mehr passend ist, sich weiterentwickeln möchte.

Eine neue innere Beziehung kann zu neuen Lösungen führen

Die ständige Weiterentwicklung, der Prozess, ist ein wichtiges Augenmerk von Focusing. Irgendwann kommen Sie an einen Punkt, an dem Sie sagen können: „Es hat sich was verändert“ oder „Es ist von mir abgefallen“ oder „Jetzt bin ich bereit, dies in meinem Leben zu verändern“ oder „Mir ist das klar geworden und jetzt ist etwas Anderes möglich.“ oder „Dieser konkrete Schritt steht jetzt an.“

Die Stärke dieses Ansatzes liegt darin, dass alle Anteile miteinbezogen werden. Sie versuchen nicht, eine vorgefertigte Lösung zu erzielen, die bestimmte innere Anliegen ignoriert oder ausblendet. In meiner Erfahrung bedeutet dies, dass es längere Phasen des „Brütens“ und Nachdenkens geben kann – und dann, auf der Grundlage dieses Respekts, gibt es auch die Möglichkeit für schnelle, konsistente Veränderung und die Arbeit an konkreten Zielen.

Dies gilt natürlich auch für die von Ihnen genannten Themen, vielleicht in etwa:

  • Etwas in Ihnen, das immer alles perfekt machen möchte
  • Etwas in Ihnen, das annimmt Grenzen zu setzen ist nicht legitim
  • Etwas in Ihnen, dass unsicher ist – und leicht ärgerlich wird