Tipps & Tricks Nr. 4 – Ich nehme im Focusing hauptsächlich meinen Kopf wahr, aber ein Felt Sense soll doch im Körper sein.

In einer Supervision zu dem Einsteigerpaket wird folgende Frage gestellt:

„Ich spüre im Focusing oft hauptsächlich meinen Kopf, aber es heißt ja immer, dass ein Felt Sense im Spürraum von Kehle, Brust und Bauch sein soll. Mache ich da etwas falsch? Es ist oft so, dass sich mein Kopf viel zu groß oder zu dominant anfühlt, und da ist sehr viel los; so, als ob es deutlicher wahrzunehmen ist als der Rest meines Klroers. Und im Gegensatz dazu habe ich Schwierigkeiten, zum Beispiel etwas im Bauch wahrzunehmen.“

Zuersteinmal: Ja, ein Felt Sense kann natürlich auch außerhalb des Kehle-Brust-Bauch-Bereiches auftauchen. Denken Sie zum Beispiel an das Gefühl der Scham, wenn Hitze im Körper aufsteigt und ein starkes Gefühl auch im Kopf/Gesicht erzeugt. Oder wenn Sie abends mit einem Gedankenkarussell im Bett liegen. Natürlich ist dies noch nicht ein voller Felt Sense, aber ein brauchbarer Zugang oder Teil eines Felt Sense.

Ziele

Wenn Sie mit Focusing beginnen und in den Körper hineinspüren, haben Sie mehrere Ziele.

Sie möchten langsamer, interessierter, sich selbst zugewandter werden

Sie verlagern das Zentrum Ihrer Aufmerksamkeit in die Mitte des Körpers: Kehle-Brust-Bauch

Von dieser Mitte aus nehmen Sie dann Ihren ganzen Körper wahr

Aus der Komplexität dieser Wahrnehmung entwickelt sich dann der Such- und Erkenntnisprozess, den wir Focusing nennen. Sie erhalten neue Informationen und Bedeutungen.

Es geht also darum, einerseits das Zentrum der Wahrnehmung deutlich im Körper zu haben und gleichzeitig offen zu sein für was immer in Ihnen auftauchen mag. In Ihrem Fall entsteht ersteinmal das Gefühl einen überproportional großen Kopfes.

Verschiedene Optionen

Eine erste Möglichkeit, diese Spur zu verfolgen, ist die Beschreibung. Hier ist es wichtig, nicht ausschließlich in den körperlichen Sensationen von Druck, Wärme etc. hängen zu bleiben, sondern sich vor allem mit den schon vorhandenen komplexeren Bildern zu beschäftigen, zum Beispiel dass der Kopf eben tatsächlich „überproportional groß“ zu sein scheint.

Ich höre hier schon einen Vergleich mit bzw. die Verbindung zu dem Rest Ihres Körper heraus – und dort geht es meiner Meinung nach weiter.

Eine Frage, die Sie dann in einem zweiten Schritt entwickeln könnten, wäre zum Beispiel: „Ich nehme mir auch Zeit, den Rest meines Körper wahrzunehmen.“ – versuchen Sie detailliert zu beschreiben, gerade auch wenn hier alles sehr vage zu sein scheint oder Sie das Gefühl haben, dort sei „nichts“.

Sie können auch zwischen dem Gefühl im Kopf und der „Leere“ im Körper hin und her pendeln, beide Wahrnehmungen gleichzeitig halten oder die Verbindung zwischen beiden wahrnehmen. 

Präsenzsprache 

Eine weitere Möglichkeit wäre die Anwendung einer speziellen Version der Präsenzsprache, wie z.B. „Ich nehme etwas in mir wahr, das [all die Energie/Wärme/...] in meinen Kopf hochdrückt“.

Probieren Sie diesen Satz aus.

Der erste Teil „Ich nehme etwas in mir wahr“ ist wie eine Anerkennung eines Teils in Ihnen, der im Moment schon voll wirksam ist und den Sie aber noch nicht richtig wahrnehmen können.

Der zweite Teil des Satzes trägt den Kern der Bedeutung in sich. Wie zum Beispiel in: „Da ist etwas in mir, das sich ständig schämt und all diese Hitze in meinen Kopf drückt“. Diesen Teil des Satzes können nur Sie selbst treffend formulieren; und ich vermute, Sie werden sehr schnell ein klares Gefühl dafür haben, wie die Formulierung sein muss, damit sie treffend ist.

Von dort aus geht es dann ganz normal weiter, wie immer im Focusing: Beschreiben, Prüfen, Beziehung vertiefen. Mit der Zeit wird der Felt Sense dann immer klarer, differenzierter und lebendiger, und das ist Sinn und Zweck des Focusing.