Tipps & Tricks Nr. 33 – Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich für mich sorge

Jemand stellt folgende Frage:

„Sobald ich in einer Freundschaft eine klare Grenze setze und für mich sorge, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Ich kenne das auch aus anderen Bereichen: Immer wenn ich etwas mache, was sich richtig und gut anfühlt, wird es sofort in Zweifel gezogen. Mir geht es dann schlecht. Ich habe ein schlechtes Gewissen  - Was denken die anderen? Du bist egoistisch! - und verliere das Gefühl dafür, was eigentlich richtig ist für mich. Wie kann ich im Alltag damit weiterkommen; und wie kann ich meinem Gefühl wieder mehr trauen?“

Vielen Dank für diese Frage. Es gibt meiner Ansicht nach verschiedenste Wege, die ein Weiterkommen hiermit im Alltag unterstützen. Den praktischsten davon möchte ich hier einmal beispielhaft beschreiben. Doch was heißt „weiterkommen“ eigentlich? Vielleicht stimmen Sie mir zu, dass Sie weiterkommen, wenn Sie mehr und besser für sich sorgen können ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen.

Weiterkommen hieße aber auch, dass Sie sich sicher darin fühlen, was eigentlich „richtig und gut“ für Sie ist. In diesem Wissen liegt eine große Kraft.

Wie es sich anfühlt

Nehmen Sie also das alltägliche Geschehen. Hier können Sie sich selbst leicht studieren. Wenn ich Sie wäre, würde ich mir als erstes folgende Fragen stellen: „Woran merke ich es, dass sich etwas gut und richtig für mich anfühlt?“. Denn es geht ja um eine grundsätzliche Orientierung: Kann ich wissen, was gut und richtig für mich ist, auch wenn ich immer gleich ein schlechtes Gewissen bekomme?

Stellen Sie sich also folgende Fragen:

 

  • Wie fühlt es sich an, wenn ich etwas Gutes und Richtiges für mich tue?
  • Welche konkreten Beispiele dafür gibt es?
  • Wie fühlt sich das konkret an?

Nehmen Sie sich Zeit dafür, diese Frage zu erspüren, möglichst mit konkreten Beispielen. Gibt es Beispiele, in denen Ihnen spontan klar war, was gut und richtig für Sie ist … Sie haben dann vielleicht einfach danach gehandelt, ohne weiter zu überlegen. Es war vielleicht leicht und hat sich gut angefühlt. Dieser Moment ist interessant, denn das „schlechte Gewissen“ kommt erst später. (… und bedarf auch weiterer Aufmerksamkeit; aber darauf möchte ich hier nicht eingehen.)

Vielleicht haben Sie ein oder zwei konkrete, einfache Beispiele. Füllen Sie dann folgenden Satz aus:

 

  • „Wenn ich etwas Gutes und Richtiges für mich tue, dann ________________“

Beachten Sie auch, wie schwierig es sein kann, solch einen Satz zu füllen. Hier sind einige Beispiele. Achten Sie darauf, dass Sie sich Zeit nehmen und möglichst genau beschreiben.

Beispiele:

 

  • „Wenn ich etwas Gutes und Richtiges für mich mache, dann stehe ich voll dahinter. Das ist stabil und aufgerichtet.“
  • „Wenn ich etwas Gutes und Richtiges für mich mache, dann fühlt sich das sinnvoll an. Es macht einfach Sinn oder erfüllt mich.“
  • „Wenn ich etwas Gutes und Richtiges für mich mache, dann strahlt mein Gesicht. Das können auch andere Menschen in meinem Umfeld sehen.“

Wie es sich anfühlen würde

Im Alltag hilft Focusing oft durch simples Innehalten und Nachspüren. Sie sind verbunden mit sich selbst und der Situation, in der Sie sich befinden. Deshalb können Sie Ihre in der obigen Übung erarbeiteten Beschreibungen verwenden, um in einer neuen Situation einen ersten Anhaltspunkt zu bekommen: Ist das die richtige Richtung für mich?

Stellen Sie sich vor, Sie kommen in eine interessante Situation; also eine Situation, die nicht automatisch abläuft. Sie sind wacher, interessierter. Jede Situation fühlt sich irgendwie an. Sie können sich also fragen, was Sie oben erarbeitet haben.

 

  • „Wenn ich dies tue, bin ich dann __________________ ?“

Um in den obigen Beispielen zu bleiben:

 

  • „Wenn ich dies tue, stehe ich dann voll dahinter? Bin ich dann stabil und aufgerichtet?“
  • „Wenn ich dies tue, ist das dann sinnvoll? Macht es einfach Sinn und erfüllt mich?“
  • „Wenn ich dies tue, strahlt mein Gesicht dann?“

Bekommen Sie ein „Ja“ oder ein „Nein“ auf diese Frage, dann haben Sie einen deutlichen Anhaltspunkt. Wenn Sie unsicher sind, dann hilft manchmal das Wort „eher“: … Bin ich dann „eher“ stabil? Ist das „eher“ sinnvoll? – So können Sie anfangen, Ihre eigene, richtige Richtung auszuloten und zu bestimmen. Gehen Sie langsam voran. Mit der Zeit bauen Sie dadurch mehr und mehr Vertrauen in die Hinweise auf, die zeitlich noch vor dem „schlechten Gewissen“ auftauchen.