Tipps & Tricks Nr. 3 - Zu viele Reflektionen bringen mich aus dem Kontakt. Was kann ich tun?

In einem Coaching für Focusing-Tandems kommt folgendes Thema auf:

„Meine Focusing-Begleitung gibt mir zu viele Reflektionen. Mein Problem dabei ist, dass mich Reflektionen im Moment aus dem Kontakt mit mir selbst bringen. Ich habe jetzt die Idee, dass ich vorweg darum bitten könnte ersteinmal keine Reflektionen mehr zu bekommen und bin mir aber nicht sicher, ob das geht.“

Ja, das ist aus meiner Sicht eine gute Idee, denn Sie machen hier zwei Dinge:

  1. Sie nehmen Sich ernst in dem erlebten Problem (anstatt es zu versuchen „zu regulieren“)
  2. Sie formulieren eine erste Idee, die Ihnen helfen kann besser mit sich in Kontakt zu sein.

Nicht glauben, was der Focusing-Lehrer sagt

Sie hören damit außerdem auf, sich einfach nur anzupassen, um „gut“ oder „richtig“ oder „anerkannt“ zu sein. Und das ist genau die Chance, die wir im Focusing bekommen: Einen Raum, in dem keine Anpassung sein braucht, sondern alles auftauchen kann – Ideen, Gedanken, Gefühle, Erinnerungen. Alles darf da sein und das kann über die Zeit enorme Konsequenzen haben.

Es ist diese detaillierte, kleinschrittige Sichtweise, die Ihnen hilft auch größere Zusammenhänge oder Muster in Ihrem Leben langsam zu verändern. Nicht das Ganze auf einmal, sondern im Detail. Sie erfinden Focusing jedesmal neu, weil Sie nicht nur Instruktionen folgen und glauben, was der Focusing-Lehrer sagt. (Gendlin hat das einmal sehr schön in seinem Text Instructions for not following instructions formuliert) 

Ich kann also nur zustimmen; stellen Sie diese Regel auf und bitten Sie vor oder während der Focusing-Sitzung z.B. darum „Jetzt bitte keine Reflektionen mehr“ oder auch: „Jetzt würde ich gerne wieder Reflektionen bekommen.“

Das unerwartete Ergebnis

Ich habe außerdem eine Vermutung, und zwar dass das eigentliche Ergebnis anders sein wird, als Sie im Moment erwarten.

Ja, Sie werden sich einerseits sicherer fühlen und mehr in Kontakt mit sich kommen. Ganz nebenbei werden Sie aber außerdem erleben, dass Sie mit der Formulierung dieser Regel anfangen, wirklich Verantwortung für Ihren eigenen Prozess zu übernehmen und sozusagen Ihr eigenes Leben wieder selbst in die Hände bekommen. Dort, wo Sie sich vorher vielleicht „problematisch“ gefühlt haben, tritt eine neue Idee in den Raum: Ich kann für mich sorgen. Ich weiß, was gut für mich ist. Ich kann das in Worte fassen. Ich kann dafür sorgen, dass dieses Detail anders wird. Ich verstehe, wie mein Leben in diesem Detail besser für mich wäre.