Tipps & Tricks Nr. 24 – Wie kann ich etwas Bekanntes neu beschreiben?

In einem Einsteigerpaket kommt folgende Frage auf:

„Ich finde es schwierig, etwas zu beschreiben was mir schon lange bekannt ist. Ich bleibe dann oft bei den Worten, die ich schon kenne, wie zum Beispiel Angst oder Trauer. Das bringt mich aber nicht weiter. Mein Prozess bleibt dann stehen. Ich komme auch nicht wirklich in einen guten Kontakt. Wie kann ich das besser machen?“

Vielen Dank für diese Frage. Sie schreiben, dass Ihr Prozess stagniert, wenn Sie nur bei den schon bekannten Beschreibungen bleiben: Es ist wie eine Wiederholung und der Kontakt ist weniger lebendig.

Alte und Neue Beschreibungen

Ich stimme Ihnen zu: Etwas NEU beschreiben zu können ist der Königsweg, um zu einem lebendigen Kontakt mit dem eigenen Erleben zu gelangen. Manchmal ist es dafür hilfreich, sich die Worte klar zu machen, die Sie bisher zur Beschreibung benutzt haben. Nehmen Sie dafür ein konkretes Beispiel, z.B. „meine alte Wut“ oder „der Neid, der ständig auftaucht“. 

Schreiben Sie alle Worte auf, mit denen Sie dies normalerweise beschreiben würden. Sie werden bemerken, wie Ihre Wortwahl oft gefärbt ist durch Bewertungen und Interpretationen. Oft geht es im Hintergrund ja darum, die eigene Gefühlswelt zu kontrollieren anstatt sie kennenzulernen.

Im nächsten Schritt geht es darum, diese Bewertungen und Interpretationen loszulassen und mit neuen Augen zu schauen. Gehen Sie also wieder ins Focusing und fragen Sie sich: „Wie fühlt sich dies jetzt wirklich an? Was taucht außerdem auf, wenn ich mit diesem Gefühl Zeit verbringe? Gibt es andere Beschreibungen, die fassen, wie es jetzt im Moment ist? Was taucht jetzt in Bezug darauf auf?“ ... Sie können auch ganz einfach zu sich selbst sagen: „Da ist jetzt etwas in mir, ...“ und dann fangen Sie an, zu beschreiben.

Verweilen

Der Schlüssel ist dabei immer das geduldige Verweilen im Spüren. Sie raten nicht, was es sein könnte. Sie versuchen nicht, clever oder brilliant zu sein. Sie versuchen nicht, sich selbst etwas zu erklären. Vielmehr lassen Sie Worte, Bilder, Bedeutungen, Gefühle im Verweilen aufsteigen. Sie lassen sich Zeit dafür, ersteinmal ohne Zwang zu Sinn oder Verständnis :-). Die Symbole, die nach einiger Zeit anfangen aufzutauchen, sind per se neu und enthalten weitere, neue Schritte. Dies braucht Geduld und Interesse. Kleinste Veränderungen können beschrieben werden, auch wenn das ungewohnt ist.

Überraschung und Zustimmung

Ein Zeichen, dass Sie wirklich NEU beschreiben ist die Überraschung: Sie sind überrascht, dass dies auftaucht. Man könnte auch sagen, dass Sie dann in Kontakt mit Ihrer eigenen Wahrheit kommen; denn oft ist es Überraschung und Zustimmung: „Ja, genau, so ist es!“ Ich bin überrascht, wie ich selbst treffend beschrieben wurde.

Ebenenwechsel

Wechseln Sie dabei bewußt die Beschreibungsebene. Dieses Wechseln bereichert das Erleben und hilft, neu und anders Kontakt aufzunehmen; neu und anders zu verstehen.

 

  • Sie können zum Beispiel eine Metapher einladen: „Das fühlt sich an wie ...“. 
  • Sie können zu einer Bedeutung gelangen, indem Sie einladen: „Am wichtigen daran ist ...“ oder „Die Krux daran ist ...“ oder „In meinem Leben bedeutet dies ...“ oder „Es weist mich darauf hin, dass ...“
  • Sie könne zu einer Gefühlsqualität gelangen, indem Sie einladen: „Ich nehme mir Zeit zu spüren, ob dies ein bestimmtes Gefühl hat...“
  • Sie können auch Ihr konkretes Verhalten in einer bestimmten Situation beschreiben, in der zum Beispiel immer eine bestimmte Emotion auftaucht.
  • Wenn Sie mit etwas abstrakten Begriffen arbeiten wie z.B. „Angst“, dann lassen Sie dies lebendiger werden, z.B. „Etwas in mir ist ängstlich.“

Dies sind nur einige Bespiele, von denen es natürlich noch viele weitere gibt.

Interesse und Mitgefühl

Sie wissen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind, wenn Sie merken wie interessiert Sie sind und dass Sie Mitgefühl haben. Sie fangen an, jedes Detail zu explorieren. Sie sind dabei getragen von Warmherzigkeit, Offenheit und Mitgefühl. Es ist Ihnen ein echtes Anliegen, in einen besseren Kontakt zu kommen mit dem, was sich in Ihnen zeigt und entwickelt.