Nr. 23 – Wie häufig sollte ich reflektieren?

Eine Frage, die in letzter Zeit öfters aufgetaucht ist:

„Ich bin sehr zurückhaltend in der Focusing-Begleitung. Mir ist nicht klar, wie häufig ich eigentlich das reflektieren soll, was gesagt wurde.“

Vielen Dank für diese Frage. Ich habe in dem Tipp Nr. 10 schon einmal eine ähnliche Frage beantwortet. Wichtig scheint mir hier: Die formalen Focusing-Sitzungen sind kein normales Gespräch. Es sind Zeiten der intensiven Auseinandersetzung mit sich selbst.

Übergänge können schwierig sein

Die Übergänge zwischen einer formalen Focusing-Sitzung und einem normalen Gespräch sind deshalb schwierig. Ich empfehle deshalb, sich wirklich nur zu dem einen oder dem anderen Zweck zu treffen. Entweder Sie begleiten sich gegenseitig im Focusing; oder Sie sprechen normal miteinander. (Natürlich ist diese Trennung nur bedingt sinnvoll. Je länger Sie Focusing kennen, desto öfters werden Sie auch in normlen Gesprächen nutzen, was Sie gelernt haben.)

Es kann sein, dass es Ihrer Begleitung unhöflich vorgekommen ist, nach der Sitzung nichts weiteres „nettes“ zu sagen. Es bedarf einiger Erfahrung, einen stillen Raum einfach zu lassen und das Gespräch nicht wieder auf eine oberflächliche Ebene hinaufzuführen.

Ansprechen, was Sie brauchen und gemeinsam explorieren

Was auch immer der Grund dafür war, Sie können dies einfach ansprechen. Alle, die Focusing in meinem Einsteigerpaket gelernt haben, haben sich ausführlich mit den Regeln der Focusing-Tandems auseinandergesetzt. Dadurch gibt es immer eine gute Grundlage, um Konflikte dieser Art zu besprechen. 

Einerseits ist es klar, dass diejenige die begleitet wird völlig frei mit dem eigenen Prozess umgehen kann. Andererseits gibt es klare Einschränkungen für die Begleitung, um einen sicheren Raum zu garantieren. Eine dieser Einschränkungen ist, dass die Begleitung während und nach einer Sitzung in keinem Fall interpretiert, analyisert oder kommentiert.

Eine Möglichkeit wäre es also zu sagen: „Mir wäre es lieber, wenn wir nach einer Sitzung nicht weiter ÜBER meinen Prozess sprechen.“ Oder „Für mich ist es nicht hiffreich, direkt am Anschluß noch etwas über meinen Prozess zu hören.“ Wenn Sie mögen, dann können Sie natürlich auch gernen teilen, was bei Ihnen ausgelöst wird: „Ich fühle mich sonst _________________.“

Vielleicht macht es auch Sinn einen Schritt weiter zu gehen und gemeinsam zu explorieren: „Hättest du Lust, dass wir uns noch kurz Zeit nehmen und überlegen, was wir jeweils gut finden direkt nach der eigenen Sitzung? Was findest du am besten, wenn du aus deinem eigenen Focusing-Prozess herauskommst?“. Nehmen Sie sich beide Zeit, ausführlich darüber zu sprechen und zu einem klaren Verständnis zu kommen, was beim Abschluß der Sitzung jeweils gut und hilfreich ist.