Nr. 171 – Aus Sackgassen herausfinden

Sackgassen kommen in der inneren Arbeit mit Gefühlen in unterschiedlichster Weise vor. Gemeinsam haben sie alle, dass unklar ist, wie ich mit dem Prozess überhaupt weiterkommen kann. In vielen Fällen kann ich Abkürzungen finden, von denen ich hier einmal eine vorstellen möchte. Mir ist es wichtig, dass Sie als Leserin dies als eine Möglichkeit von vielen verstehen – denn im Prozess geht es in erster Linie immer darum, präsent und kreativ zu sein und nicht alten Rezepten oder vermeintlichen Regeln zu folgen.

Stellen Sie sich vor, Sie sind umgeben von klebriger, teeriger Masse. Sie stecken mit den Händen und Armen darin; genauso wie mit Ihren Füßen und Beinen. Jede Bewegung, die Sie versuchen, ist anstrengend.

Sackgasse im Herkömmlichen

Es ist eine Sackgasse im Focusing. Nichts geht mehr, und es ist auch – nach einigem Probieren - nicht möglich, mit den herkömmlichen Ideen des Focusing weiter zu kommen (z.B. Präsenzsprache etc.).

Ein neues Stichwort aufgreifen

Dann kommt das entscheidende Stichwort im Prozess. Es wird beschrieben, wie es aufgrund dieser alles verklebenden Masse nicht mehr möglich ist, überhaupt den eigenen Körper wahrzunehmen.

Es entsteht das deutliche Gefühl, dass diese Masse „von außen“ kommt und nicht „zu mir“ gehört. Das Fühlen des Eigenen scheint nicht mehr möglich.

Eine neue Einladung formulieren

Ich begleite diesen Prozess und formuliere anhand der vorliegenden Beschreibung folgende Einladung (die in abgewandelter Form recht häufig nutzbar ist): 

  • „Vielleicht magst du deinen Körper einladen dir zu zeigen, wie es ist, NICHT von dieser klebrigen Masse umgeben und festgehalten zu sein.“

Dies ist aus meiner Erfahrung ein wirksamer Schritt, wenn ich im wahrsten Sinne des Wortes in etwas feststecke und aufgrund dessen nicht mehr fühlen kann. Der Körper kann in den meisten Fällen sehr deutlich spürbar machen (mir zeigen), wie es ist, etwas NICHT zu haben – oder etwas, das ich NOCH nicht habe (mir wünsche) zu haben.

Wichtig: Es geht dabei nicht darum, mich selbst auszutricksen oder mir etwas vorzugaukeln. Vielmehr entsteht durch solch eine Einladung eine Art Überraschung und ein neues, offenes Hineinspüren. Meist zeigt sich: Ja, das ist möglich!

Der Körper weiß mehr als wir in der Sackgasse denken können

In dem Beispiel, von dem ich hier erzähle, konnte der Körper ganz leicht ein Gefühl von Freiheit, Leichtigkeit und Beweglichkeit in sich aufkommen lassen (ohne dies vorzugeben und ohne dies nur zu „denken“); denn – und dass ist mir durch Jahre der Erfahrung mit solchen Prozessen klar – der Körper WEISS GANZ GENAU, wie es an sich sein sollte, wie es sich „richtig“ anfühlt und „stimmig“. Wie sonst sollte er/sie/ich sonst unter dem unstimmigen Zustand leiden, in einer klebrigen Masse zu stecken?

Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit

Dieser Schritt ist im Übrigen nur eine Vorbereitung. Es ist nun zum ersten Mal Raum entstanden, mit dem zu arbeiten, was sich vorher, im ersten Auftauchen, wie eine „klebrige Masse“ anfühlte.

Diese Themen sind: Schuld, es nicht verdient zu haben frei zu sein, eine Enttäuschung zu sein, Trauer und Wut; und erst jetzt ist es möglich, diese Themen anzufangen in Worte zu fassen, mit ihnen in Kontakt zu treten, sich ihnen zuzuwenden, ihnen zuzuhören, und einen echten Dialog im Innern zu führen – der über die Zeit zu Wandlung und Wachstum führen wird.