Tipps & Tricks Nr. 164 – Freiheit und Weite im Focusing

Focusing ist ein weiter Raum, den Sie mit der Zeit verstehen und nutzen lernen können. Es ist erstaunlich, wie schnell sich dieser Raum anfangs füllt mit einengenden Bewertungen, Ungeduld, dem Druck etwas tun oder verändern zu müssen, eine Lösung zu finden. Das Gefühl der Weite, des Raums, wird dabei leider zu oft verschüttet; gleichzeitig gibt es immer Wege, sich an die Freiheit zu erinnern, die Sie eigentlich sind.

Stellen Sie sich vor, Sie sind in einer Großstadt und es ist kurz vor Weihnachten. Die Straßen sind verstopft, die Leute hektisch, es regnet und Sie haben das Ziel, mit dem Bus von der Arbeit nach Hause zu fahren.

Enge

Um Sie herum ist alles voller Bewegungen und Geräuschen; Ihre Aufmerksamkeit kreist im Außen, angezogen von Werbeplakaten, Gesichtern, Gesprächsfetzen; im Innern sind Sie noch mit einer Situation von der Arbeit beschäftigt und Sie spüren, wie die Gefühle in Ihnen vor sich hin köcheln.

Weite

Sie schauen aus dem Busfenster und auf einmal, ohne Ihr Zutun, erinnern Sie sich an den Himmel. Davor war der Himmel nur ein unbedeutender Teil der Szene; und jetzt, auf einmal, werden Sie sich der Weite über all dem bewusst, was Ihre Aufmerksamkeit bisher gebannt hatte.

Jetzt nehmen Sie wahr, wie zwischen und über den Häusern Platz ist. Sie sehen den Raum zwischen den Menschen und wie überall Raum zwischen den Dingen ist. Es ist, als ob Sie den Raum als etwas erkennen, das wirklich da ist und Lebendigkeit und Substanz hat …

Sie fühlen sich innerlich berührt, spüren eine gewisse Leichtigkeit und Wärme im Herzen; nehmen vielleicht die Verbindung der Menschen miteinander wahr, wie wir alle einfach da sind im Leben. Auf geheimnisvolle Weise ist eine subtile Art der Ruhe eingekehrt und Raum entstanden.

Mich erinnern (lassen)

Im Focusing zu erkennen, dass ich gefüllt mit Bewertungen, Gefühlen, Bedürfnissen bin und auch davon umgeben bin, ist ein erster Schritt, mich an meinen eigenen „Himmel“, eine grundsätzliche Freiheit und Weite in mir, zu erinnern.

Ich kann wählen, mit von jeder Begegnung mit Einengung, Druck und Schmerz auch erinnern zu lassen an den weiten Raum, der ich bin und mich umgibt. So muss ich nichts von dem, was mich füllt, „loslassen“, „verfolgen“ oder „lösen“, sondern brauche erst einmal nur erinnern.

Diese Erinnerung an eine grundsätzliche Freiheit, den Raum der ich bin, wird im Focusing oft als tatsächliche Erfüllung erlebt: „Ich darf so sein, wie ich bin.“

In der Weite verweilen

Es ist in Ordnung, sich dafür Zeit zu nehmen, dies auszukosten; und wenn ich diese Freiheit, diese Erlaubnis zu Sein wirklich spüre, dann kann klarer werden, was zu tun ist; dann kann ich Kraft schöpfen, mich dem in mir zuzuwenden, das sich gefangen, gehetzt und bedrückt fühlt; und dann können diese Teile verstehen, dass auch sie frei sind und ihre ganz eigene Stimme hörbar machen dürfen. 

Mit der Zeit wird Focusing so zu einem Raum, den ich verstehen und nutzen lernen kann, um klarer zu sehen, zu fühlen, zu denken und zu handeln.