Tipps & Tricks Nr. 161 – Fünf Fragen, um den inneren Kritiker klarer sehen zu können

Innere Kritik kann viele verschiedene Formen annehmen – vom milden Drängen, etwas doch bitte besser zu machen bis zum vernichtenden, existentiellen Rundumschlag der Schuld und Sinnlosigkeit. Die Effekte dieser Attacken können wir alle wahrnehmen, als körperlich spürbares Leid. Um damit besser umgehen zu können bedarf es aber eines anderen Schritts.

Oftmals ist es nicht klar, was dahintersteckt, dass ich mich in einer konkreten Situation schlecht, wertlos, niedergemacht, schuldig etc fühle.

Wenn Ignorieren keine Option mehr ist oder zu unbefriedigenden Ergebnissen führt, dann ist der erste Schritt, klar zu sehen was überhaupt genau passiert. Denn das Gefühl der Wertlosigkeit, Sinnlosigkeit usw ist NICHT die Attacke, sondern nur die Wirkung einer Attacke.

Den inneren Kritiker stattdessen klarer zu sehen bedeutet, dass ich wahrnehmen kann, was in mir genau abläuft. Versuchen Sie dazu, zum Beispiel diese Fragen zu beantworten:

  • Wie fühle ich mich, wenn ich „unter Attacke“ stehe? (Bitte in Präsenzsprache)
  • In welchen konkreten Situationen fühle ich mich so?
  • Was an der Situation ist es genau, das auslösend ist?
  • Was genau wird innerlich gesagt?
  • Was genau wird in mir kritisiert bzw. als falsch dargestellt? (Die kann ein Gedanke, eine Handlung, ein Wert, ein Motiv, ein Wunsch/Bedürfnis etc sein)

Kann ich diese Fragen ausführlich beantworten, dann habe ich den ersten Schritt gemeistert: Ich kann klar sehen, was in mir genau abläuft.

In vielen Fällen wird es anfangs schwer sein, alle Fragen zu beantworten. Sie sehen daran, welche Bereiche des Kritikgeschehens noch im Dunkeln ablaufen.

Je weiter geübt ich darin bin, klar zu sehen was in mir abläuft, desto weniger befinde ich mich in der Opferrolle. Ich sage dann zum Beispiel nicht „das ist immer so“, sondern „in dieser konkreten Situation wurde genau dies gesagt …“ – und je differenzierter ich dies verstehen kann, desto mehr neue Möglichkeiten und Schritte werden sich in der inneren Arbeit eröffnen.

Etwas klar sehen zu können bedeutet nicht mehr 100% damit verschmolzen zu sein.

Diese Befreiung führt dazu, dass ich mich schrittweise anderen Aspekten zuwenden kann, die vorher nicht vorkommen konnten. Ich trete aus der Logik des inneren Kritikers (nur ein Problem sehen, nur eine bestimmte Strategie verfolgen, starke Bewertungen) und ermögliche es damit, nach vorne zu schauen und Bedeutsamkeit, Handhabbarkeit sowie neue Chancen und Möglichkeiten erkennen zu können.