Tipps & Tricks Nr. 160 – Was vom inneren Kritiker meist unbekannt ist

Es gibt eine ganze Reihe von Aspekten des sogenannten inneren Kritikers, die meist unbekannt sind und trotz innerer Arbeit unerkannt bleiben. Es bedarf einiger Auseinandersetzung mit dem Geschehen, um diese neuen Aspekte an sich heranzulassen, zu verstehen und dann für das eigene Wohlbefinden nutzen zu können. Ironischerweise ist es viel einfacher, den inneren Kritiker zu kritisieren – und sich so vor dem notwendigen Perspektivenwechsel zu schützen.

Möchte ich also nicht mehr zum Kritiker meines inneren Kritikers werden, kann ich anfangen mich damit zu beschäftigen, was eigentlich wirklich los ist.

Dazu ist es wichtig, unvoreingenommen zuhören zu können. Dies ist oft nicht einfach zu erlernen, denn die Sprache des Kritikers ist gerne extrem - genau wie die Gefühle, die dadurch entstehen.

Schaffe ich es dann in einem ersten Schritt, mich dem Kritikgeschehen in mir mit freundlichem Interesse zuzuwenden, so kann ich mich vielerlei Dinge fragen und so einem realistischeren Bild des sogenannten Kritikers annähern.

Diese Fragen könnten zum Beispiel sein:

  • Kann es sein, dass du dich selbst hilflos und machtlos fühlst und mit Druck versuchst, etwas Bestimmtes zu erreichen?
  • Kann es sein, dass du voller Sorge um mich bist?
  • Kann es sein, dass du mich vor etwas Schmerzvollem bewahren möchtest?
  • Kann es sein, dass es dir im Kern darum geht, mich zu schützen?
  • Kann es sein, dass du eine ganz genaue Idee hast, wie dies zu erreichen ist, die du unbedingt durchsetzen möchtest?
  • Kann es sein, dass du dich seit langer Zeit unglaublich anstrengst, um dieses Ziel für mich zu erreichen?
  • Kann es sein, dass du dir etwas Positives für mich wünscht?
  • Kann es sein, dass du dich in deiner Not noch nie gehört gefühlt hast – und dir es guttun würde, wenn ich dir zuhören?
  • Kann es sein, dass du kein Vertrauen darin hast, dass ich ein konkretes Problem (wenn du mich kritisierst) selbst lösen kann?

Aber Achtung! Jede dieser Fragen ist es wert, eine längere Zeit und in Ruhe im Focusing betrachtet zu werden. Wenn Sie diese Liste einfach nur kurz durchgehen, dann wird sich daraus nicht viel ergeben.

Vielmehr zeigt die Erfahrung, dass es ein langsamer Prozess ist, sich aus der Kritik des Kritikers zu befreien und wirklich anzufangen, neugierig und unvoreingenommen zu reagieren.

Wenn Sie mögen, dann nehmen Sie sich Zeit in einen oder mehrere Punkte der obigen Liste hineinzuspüren. Welche der Fragen klingt interessant oder „geladen“? Gelingt es, diese Frage offen und interessiert zu halten? Was entsteht?

Solch eine Sitzung ist natürlich nur eine Fingerübung; aber vielleicht bekommen Sie einen Eindruck davon, wie interessant und vielschichtig das Kritikgeschehen sein kann. Wenn ich anfangen kann, dies so zu betrachten, ist es mir vielleicht auch möglich, mit neuen Augen zu sehen.