Tipps & Tricks Nr. 16 – Wie unterstütze ich glückliche Momente?

In der letzten Übungsgruppe ging es auch um folgende Fragestellung:

„Mir fällt auf, dass meine Focusing-Partnerin in ihrem Prozess immer in der Logik des Problems bleibt, welches sie gerade bearbeitet. Zwischendurch entstehen Momente wie z.B. Erleichterung („Ah, stimmt, das ist so erleichternd!“), Verstehen („Ja genau, so ist das bei mir. Herrlich!“) oder Freude („Ich bin so froh, dass all das endlich einmal so sein darf. “) – und diese Moment verfliegen für mein Gefühl viel zu schnell und ohne gewürdigt zu werden. Kann ich diese flüchtigen Momente aus der Begleitung heraus irgendwie besser unterstützen?“

Vielen Dank für diese Frage. Die flüchtigen Momente, die Sie so klar beschreiben, sind ganz typisch für Focusing! Anders gesagt: Genau dort wollen wir unter Anderem hin. 

Dialog

Was Sie beschreiben zeigt, dass hier jemand in gutem Kontakt mit etwas in sich ist. Ihre Focusing-Partnerin vermag es offensichtlich, zu warten und neue Beschreibungen für das eigene Erleben sich formen zu lassen und zu finden – und diese Beschreibungen interessiert, lauschend, fühlend dem eigenen Erleben wieder anzubieten; mit dem Ergebnis, dass Erleichterung, Verstehen oder Freude entstehen kann. Dies ist ein Musterbeispiel für das Felt Sensing: Ich erkenne etwas – und wie reagiert es? Was entsteht in mir dazu? Was klingt an?

Diese Momente des Verstehens, der Erleichterung und der Freude können nur so entstehen: Im Dialog mit dem eigenen Erleben, mit etwas Lebendigem in mir. 

Aufhören dürfen zu kämpfen

Wie können diese Moment nun unterstützt werden? Und warum sollten Sie das überhaupt tun? Meine Meinung nach geht es ersteinmal darum, diese Moment überhaupt klar zu erkennen. Denn was passiert hier? Etwas in mir ist wirklich gesehen, gehört, verstanden; und dies führt dazu, dass sich das vormals „problematische“, vielleicht „enge“ oder „leidvolle“ Gefühl auflöst in dankbares Erkennen: Etwas darf so sein, wie es ist. Ich darf aufhören zu kämpfen. Es kehrt ein respektvolles Miteinander und echtes Interesse ein.

Das scheinbar feste „Problem“ entpuppt sich damit als fliessender Prozess, der immer wieder in die eine leidvolle Form gebracht wird und dadurch fest erscheint – und zwar dadurch, dass ich nicht wirklich da bin, nicht zuhöre, kein Interesse habe, es nur weghaben oder optimieren will. Und jetzt, auf einmal, ist es anders; in einem flüchtigen Moment zeigt sich, wie es auch sein könnte. Und deshalb ist solch ein Moment wertvoll.

Reflektion ohne Präsenzsprache

Wenn Sie jemanden begleiten, die solch einen Moment erlebt, dann können Sie sie darin unterstützen, diesen Moment voll mitzubekommen und evtl. zu verlängern. 

Sie reflektieren dafür einfach das, was gesagt wurde; und zwar ohne die Präsenzsprache zu benutzen. In diesem Punkt unterscheidet sich der Umgang mit diesen flüchtigen Momenten von anderen. Anstatt sich zu disidentifizieren („Ich nehme etwas in mir wahr, das ...“) geht es hier darum, es sich zu eigen zu machen („Ich bin ...“). In Bezug auf Ihre Beispiele also:

Beispiel 1:

 

  • Focuser: „Ah, stimmt, das ist so erleichternd!“
  • Begleitung: „Sie merken: Das stimmt! und Sie sind jetzt so erleichtert.“

Beispiel 2:

 

  • Focuser: „Ja genau, so ist das bei mir. Herrlich!“
  • Begleitung: „Ja, und es ist tatsächlich genau so bei Ihnen. Und das fühlt sich herrlich an!“

Beispiel 3:

 

  • Focuser: „Ich bin so froh, dass all das endlich einmal so gesagt wurde. “
  • Begleitung: „Und Sie sind so froh, dass all das endlich einmal gesagt wurde.“

Ab dem Focusing Level 3 können Sie auch durch Einladungen unterstützen, indem Sie etwa anhängen „... und vielleicht nehmen Sie sich Zeit, dies einmal wirklich wahrzunehmen“ oder „... und vielleicht nehmen Sie sich Zeit, dies voll auszukosten“.