Tipps & Tricks Nr. 159 – Was der innere Kritiker nicht weiß

Der innere Kritiker ist ein Erleben, das schwer zu verstehen ist. Es entsteht gerne der Eindruck, dass die Attacken willentlich gegen mich gerichtet sind. Dies ist ein Irrtum. Deshalb ist es grundlegend für die Arbeit mit dem inneren Kritiker, zu verstehen was dieser alles nicht von mir (und von sich selbst) weiß.

So weiß der innere Kritiker beispielsweise nicht, dass ich heute andere Ressource habe als als Kind. Wie könnte er auch? Solange mir dies selbst nicht klar ist, kann ich meine neuen Möglichkeiten dem Kritiker gegenüber nicht demonstrieren – indem ich zu Beispiel geduldig zuhöre, ohne mich selbst attackiert zu fühlen.

Der innere Kritiker agiert deshalb unverändert und wiederholt sich ständig, weil es keine Veränderung meiner eigenen Position gibt. So ist es fast, als ob ich für den inneren Kritiker unsichtbar bin. Es entsteht in diesem Teil meiner selbst der Eindruck, sich um mich sorgen zu müssen. Es sieht mich weiterhin als Opfer, das (oft durch vorauseilende Selbstkritik) vor vernichtender äußerer Kritik geschützt werden muss.

Teil der Arbeit mit dem inneren Kritiker ist es, ein realistisches, aktualisiertes Bild von mir selbst und meiner Fähigkeiten zu entwickeln, mit bestimmten Situationen fertig zu werden. Dies wird zuerst durch mein tiefes und mitfühlendes Zuhören demonstriert.

Jede konkrete Situation, in der innere Kritik dann auftaucht, kann im Focusing näher angeschaut und im weiteren Verlauf systematisch weiterentwickelt werden – einfach indem ich auf die entstehenden Möglichkeiten achte, die sich ergeben, und nicht nur auf die Sorgen und die angenommene Schutzbedürftigkeit.

So wird mir mit der Zeit klarer, wie viele neue Ressourcen mir zur Verfügung stehen; ich tauche als selbstverantwortliche, zugewandte und flexible Person auf, und die innere Kritik kann langsam die Erfahrung machen, sich zu entspannen und konstruktiv zu unterstützen.