Tipps & Tricks Nr. 134 – Warum es oft wichtig ist, langsam voranzugehen

Focusing handelt davon, eine tiefe innere Begegnung zu ermöglichen. Mir selbst begegnend lerne ich von dem, was in mir auftaucht – indem ich behutsam beschreibe, differenziere, lausche und ernstnehme. Die Suchen nach Antworten kann anfangs aber auch dazu verleiten, mit Druck und Frust unterwegs zu sein – viel zu schnell meistens - und dadurch weniger und weniger Begegnung zu ermöglichen.

Langsames Vorangehen ist deshalb so wertvoll, weil ich dadurch an den schwierigen Stellen meines Weges nicht ins Straucheln gerate. Stattdessen sehe ich differenzierter, vollständiger und kann mich deshalb auch ganz anders verhalten. Ich bin auch viel mehr gefordert, in meiner Selbstverantwortung und meinem Vertrauen.

Eine Begegnung möchte entstehen

Wenn Sie im Focusing also immer wieder Gleiches erleben anstatt ab und zu etwas Neues, würde ich Sie dann gerne dazu einladen, langsamer voranzugehen; vielleicht sogar ganz anzuhalten, und sich umzuschauen, und eine Begegnung zuzulassen.

In solche einer Begegnung stellen Sie alles, was Sie zu wissen meinen, erst einmal hintan. Stattdessen erlauben Sie es sich, wahrzunehmen. Erst einmal vielleicht nur die Anwesenheit dieses Gedankens, dieses Gefühls, dieser Energie, dieser Textur … um sich dann langsam voranzutasten und präzise zu beschreiben, wie es jetzt tatsächlich da ist.

Wie gehe ich voran?

Entscheidend ist, wie Sie vorangehen. Gehen Sie schnell und hektisch vor und fragen die ganze Zeit „Und jetzt? Was willst du mir sagen? Jetzt sag doch endlich!“, dann wird höchstwahrscheinlich keinerlei Begegnung stattfinden. Oder wenn Sie denken „Und wie ist es jetzt richtig? Wer hat Recht?“; so entsteht auch kein Vorankommen.

Langsam voranzugehen ist wie die Neugierde, dass es sich Ihnen zeigt, in der eigenen Geschwindigkeit. Es ist, als ob Sie sagen „Ich kenne dich nicht. Ich würde dich gerne kennenlernen. Ich bin hier, ich möchte gerne Zeit mit dir verbringen.“

So werden schwierige Wege, Klippen, Mauern, Stolperfallen, Wüsten und unzugängliches Gebiet wiederbelebt.

Versuchen Sie also mitzubekommen, wann Sie zu schnell vorangehen oder etwas unzugänglich bleibt. Fragen Sie sich dann „Wie gehe ich gerade voran?“ … und vielleicht ist es hilfreich, etwas langsamer zu gehen, um sich freier und unbeschwerter umschauen zu können.