Tipps & Tricks Nr. 13 – Ich vermeide es, meine Altersvorsorge zu planen

Jemand hat folgendes Anliegen im Focusing:

„In letzter Zeit ist es mir klar geworden, dass ich mich in schwierigen Konfliktsituationen gewohnheitsmäßig zurückziehe bzw. dem Konflikt versuche auszuweichen. Dies passiert mir im Moment besonders mit dem Thema Altersvorsorge, das mir Angst macht. Ich vermeide es dann, mich wirklich damit auseinanderzusetzen. Ich möchte mir dieses Muster mit Focusing genauer anschauen, aber auch konkret im Alltag damit weiterkommen. Was wäre ein geeigneter Ansatzpunkt?“

Danke für diese Frage; sie bringt mich darauf, nocheinmal eine grundlegende Bedingung darzustellen, die Sie brauchen um mit einem ängstigenden Thema weiterzukommen.

Die richtige Richtung

Diese Bedingung ist, dass Sie klar fühlen und wissen, dass die eingeschlagene Richtung korrekt ist. Sie nehmen also beispielsweise wahr, dass die Zeit jetzt tatsächlich reif dafür ist, einen Kassensturz zu machen und die eigene Altersvorsorge anzugehen – auch wenn Ihnen klar ist, dass dies vielleicht Sorgen und Ängste entstehen lässt.

Wenn diese Bedinung (noch) nicht erfüllt ist, dann stehen Sie vor anderen, grundsätzlicheren Fragen; wie zum Beispiel „Etwas stimmt nicht – und was ist das genau?“ oder „Ich fühle mich nicht wohl – und was taucht dazu auf?“ oder „Mir fehlt etwas – und was genau ist das?“.

Sich nicht vom Weg abbringen lassen

Wenn Ihnen also klar ist, dass Sie an das konkrete Thema „Altersvorsorge“ wirklich ran wollen, dann können Sie den eigentlichen Konflikt im Focusing meist schnell sehen. Oft entsteht dieser, wie Sie auch selbst schreiben, aus starken emotionalen Reaktionen. In Ihrem Falle taucht etwas ängstliches auf. Es ist nun wichtig, diese Reaktionen offen und interessiert anschauen und annehmen zu können – und zwar ohne sich vom eigentlichen Weg abbringen zu lassen. Sie gehen also weiter, fangen z.B. an zu recherchieren oder ein Beratungsgespräch zu buchen. Bei jedem konkreten Schritt haben Sie dann grob gesagt zwei Aufgaben:

 

  1. Die grobe Richtung beibehalten („Ich möchte meine Altersvorsorge klären.“)
  2. Wahrnehmen, wie der nächste Schritt am besten geht („Was entsteht dazu in mir?“, „Was ist jetzt möglich oder sinnvoll?“)

Aufgabe Nummer 1 sorgt dafür, dass Sie am Ball bleiben und nicht zu sehr abgelenkt werden. Aufgabe Nummer 2 sorgt dafür, dass Sie Ihren Weg so gehen, dass er passend ist – inklusive dem Lernen aus Fehlern – und dass sie offen bleiben für Veränderungen jeglicher Art.

Alle in einem Boot

Sie schreiben, dass Ihnen das Thema Altersvorsorge wichtig ist und Angst macht. Der Schlüssel liegt hier darin zu erkennen, dass alle Anteile zusammen mit Ihnen im selben Boot sitzen; und etwas in Ihnen ist ängstlich und fürchtet sich davor, dieses Thema ins Auge zu fassen. Wenn ich dies weiterspinne, könnten Sie sich strecken und recken und von diesem Anteil aus sprechen: „Gut. Kein Wunder“, könnten Sie sagen, „ist da doch dieses nagende Gefühl, nicht genug getan zu haben und die abgrundtiefe Angst, im Alter finanziell überhaupt nicht zurecht zu kommen.“  So würden Sie sich dem ängstlichen Teil zuwenden und diesen ausdrücken lassen, wovor er Angst hat. Sie würden damit vielleicht zum ersten mal wirklich hören, was Ihre tiefsten Sorgen zu diesem Thema sind.

Vielleicht würde es weitergehen, und Sie würden darauf kommen, dass die Angst darauf beruht nicht genügend über das Rentensysten oder die private Altersvorsorge zu wissen. Oder es zeigt sich, dass das Thema Geld generell schwierig ist.

Die eigenen Möglichkeiten ausloten

Wie auch immer es weitergeht: Wenn Sie wissen, dass alle Aspekte in einem Boot sind und Sie selbst das Boot steuern, dann können Sie anfangen sich für die einzelnen Anteile zu interessieren, sie Ernst zu nehmen und gleichzeitig bei sich selbst bleiben. Dadurch werden Sie Klippen umschiffen können, die hart gewesen wären. Sie vermeiden, nur so dahinzudümpeln; und vielleicht wird es sogar anfangen, Spaß zu machen, stattdessen wach am Steuer zu stehen und geschickt die eigenen Möglichkeiten auszuloten.