Tipps & Tricks Nr. 120 – Wie ich mein eigener Gegner werde (und wie nicht)

In Beziehungen ist es gut zu beobachten, wenn ich zu einem Gegner werde. Mir ist es dann nicht mehr möglich, die Bedürfnisse meines Gegenübers wahrzunehmen, einzubeziehen oder wertzuschätzen (oder sie dringen nicht zu mir vor, interessieren mich nicht mehr). Stattdessen versuche ich mit Macht das zu erreichen, was ich mir vorstelle. Eine Lösung erscheint dann nur möglich, indem ich mich mit meinem Plan oder meiner Idee durchsetze.

Mir ist dies in Konfliktsituationen schon mit den mir am nächsten stehenden Menschen passiert. Oder als ich noch angestellt war, mit meinen Kollegen. 

In die Gegnerschaft gezwungen

Besonders schwierig ist es, die eigenen Reaktionen in einer schwierigen Situation offen und freundlich betrachten zu können, ohne von diesen in eine Gegnerschaft gezwungen zu werden. Dies kann zum Beispiel bei der Auseinandersetzung mit einer wichtigen Entscheidung in Ihrem Leben passieren – Sie erleben dann Druck, sich „richtig“ oder „schnell“ entscheiden zu müssen; sie fühlen sich dann „falsch“ oder „unter Druck“.

Gegnerschaft ist oft subtil

Gegnerschaft kann sehr subtil entstehen, d.h. ohne es zu wollen. Mit den eigenen Kindern. Mit dem eigenen Partner. Während eines Gesprächs. In Meetings. Im Alltag. Während einer Krise.

Und mit sich selbst. Vielleicht mit dem eigenen Leben.

Ein Gegengift

Immer erst wenn ich anfing, mich WIRKLICH zu interessieren, veränderte sich diese festgefahrene Situation.

Ein wirksames Gegengift für die Gegnerschaft mit mir selbst ist das Begrüßen der Gefühle und Gedanken, die in mir auftauchen. Da mag zum Beispiel Anspannung, Frustration, Neid, Ärger sein (oder Glück, Freude, Lust, Entspannung); und vor allem das Gefühl, diese Reaktionen seien nicht gut, nicht gut genug, falsch.

Auf einmal erkenne ich also, dass da zwei Aspekte im Spiel sind: Es gibt die eigenen Gefühle UND etwas, das diese Gefühle falsch findet. Ich erkenne, dass ich zu meinem eigenen Gegner geworden bin.

In der Gegenerschaft denke ich dann „Ich will, dass diese Gefühle jetzt endlich weggehen.“ Oder „Ich muss eine schnelle Lösung finden.“ Oder „Ich suche mir einen neuen Job.“ Oder „Ich muss ….“ oder, oder, oder ….

Bemerken Sie etwas? Es findet kein Begrüßen statt. Ich verbringe keine Zeit damit. Ich verweile nicht im Kontakt. 

Glücklicherweise ist möglich, dieses Verhalten umzudrehen und in ein Gegengift zu verwandeln.

Rezept

Das Rezept für dieses Gegengift besteht (wenn Sie dem zustimmen) aus inneren Schritten, die ich jederzeit gehen kann. Wichtig ist es dabei, die sich bekämpfenden Aspekte in mir separat anzusprechen.

Achten Sie darauf, dass Sie niemals entscheiden müssen, welcher Anteil in Ihnen „Recht hat“ oder „richtig ist“.

Hier ist eine Auswahl von möglichen Schritten, die ich im Focusing gerne verwende. Es gibt keine Reihenfolge und kein „Zuviel“ für diese Schritte. Meiner Erfarung nach ist es immer nur viel zu wenig.

  • „Ich begrüße dich“ – „Ich kann dich sehen“
  • „Ich lege meine Hand hier hin, um dich zu begrüßen – dich zu sehen“
  • „Ich nehme mit Zeit, bei dir zu verweilen“
  • „Ich fange an, mich dir zuzuwenden“
  • „Ich finde Worte für dich“
  • „Ich interessiere mich dafür, ob du dich richtig beschrieben fühlst“
  • „Ich bin bei dir und atme zusammen mit dir“

Sind Sie fasziniert? Erkennen Sie sich wieder?

Wenn Sie diesen respektvollen, unaufgeregten und kontemplativen Ansatz mögen, dann schauen Sie sich gerne an, was es Ihnen bringen kann Focusing zu erlernen.

Herzliche Grüße,
Elmar Kruithoff