Tipps & Tricks Nr. 12 – Nicht zusammenhängende Sitzungen

Nach einer Einzelsitzung/-supervision mit mir wird folgendes Problem beschrieben:

„Bisher habe ich Focusing immer nur in einzelnen, nicht zusammenhängenden Sitzungen für mich eingesetzt. Ich merke jetzt, dass mir das nicht mehr reicht und ich gerne längerfristig an einem Thema dranbleiben möchte. Meine Frage ist, welche Ideen es dazu gibt.“

Ja, ich finde es sinnvoll mit einem Thema „am Ball“ bleiben zu können. So können Sie sich z.B. mit einem Ziel oder Wunsch auseinandersetzen; oder Sie behalten ein wichtiges Thema im Blick. Sie verfolgen Ihre eigene Entwicklung mit diesem Thema genauer und lernen, sich selbst und die eigenen Wünsche präziser zu formulieren.

Ein Ziel von Focusing ist Klarheit

Insgesamt lernen Sie Focusing dann als klares Werkzeug kennen, das Bewegung in oftmals stagnierte Bereiche bringt. Das Gegenteil davon habe ich auch schon öfters erlebt: Wie Menschen Focusing dazu benutzen alles „im Vagen“ zu halten. Sie können dies vielleicht bei sich selbst bemerken:  Sie beschreiben dann zwar in allen Details, wie Sie sich fühlen. Gleichzeitig vergessen Sie aber wahrzunehmen, was dieses Sich-fühlen in einer bestimmten Situation wirklich bedeutet und welche Konsequenzen es impliziert.

Themen, die mehr Zeit brauchen

Ähnliches kann passieren, wenn Sie Focusing immer nur in unzusammenhängenden Einzelsitzungen praktizieren. Themen, die mehr Zeit brauchen, fallen dann eventuell unter den Tisch. Sie erleben dann zwar immer wieder „gute“ Focusing-Sitzungen. Im Alttag findet sich dann jedoch nur wenig Veränderung.

Dranbleiben

Um kontinuierlicher an einem Thema dranzubleiben gibt es verschiedene einfache Ideen. Zuersteinmal kann es unterstützend sein, dieses Anliegen kurz in Ihrem Focusing-Tandem zu besprechen. Am besten legen Sie gemeinsam fest, dass das Tandem jetzt auf Ihrer Seite (oder beidseitig) dazu eingesetzt werden soll, ein Thema längerfristig kennenzulernen. Wichtig ist es hierbei, das Thema oder die Fragestellung möglichst genau zu formulieren. Nehmen Sie sich also auch gerne Zeit, über das Themas zu sprechen – dies ist oft eine gute Möglichkeit, wichtige Signalworte oder Phrasen zu identifizieren. Manchmal ist es auch sinnvoll, eine ganze Sitzung nur zur Findung des eigentichen Themas zu nutzen.

Klare Intention und Anzahl der Sitzungen

Außerdem sollten Sie Ihre Lösungoptionen nicht von vornherein einschränken. Im Focusing geht es ja vielmehr darum, bisher unbekannte Lösungen oder neue Zusammenhänge zu finden. Es hat sich bewährt, auch diese Intention einmal konkret zu formulieren und in Verbindung mit einer konkreten Anzahl von Sitzungen in Verbindung zu bringen: „Ich möchte in den nächsten 3 Sitzungen dieses Thema besser kennenlernen“. Die Anzahl der Sitzung hilft Ihnen, einen klaren Rahmen zu haben und so auch wirklich am Thema dranzubleiben. Die Intention des Kennenlernens hilft Ihnen, sich den ganzen Komplex einmal mit neuen Augen anzuschauen.

Protokoll führen

Schreiben Sie sich während und nach den Sitzungen die wichtigsten Worte, Sätze, Zusammenhänge und Erkenntnisse auf. Vielleicht entstehen Schwerpunkte innerhalb des Themas oder Ideen, worauf Sie in der nächsten Sitzung Ihr Augenmerk richten möchten. Ich selbst bevorzuge ein leeres Blatt Papier zu nehmen, auf dem ich dann Worte, Zeichnungen und Zusammenhänge (in Form von Einkreisungen, Pfeilen, etc) protokolliere; eine sog. Momentaufnahme.

Gehen Sie in der folgenden Sitzung dann wieder von diesem Protokoll aus, sprechen Sie einen Augenblick darüber und gehen Sie dann in die weitere Untersuchung (soll heißen: ins Focusing).

Während der Sitzung

Während der Sitzung ist es meiner Erfahrung nach hilfreich, wenn Sie einerseits offen sind abzuschweifen. Dadurch kommen neue Aspekte ins Blickfeld, die ersteinmal nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun zu haben scheinen. Gleichzeitig erinnern Sie sich ab und zu an das eigentliche Thema; so entsteht eine gute Spannung und Konzentration, die nicht zu fixiert auf Lösungen ist.

Sie können auch die Begleitung bitten, Sie immer wieder zu dem eigentlichen Thema zurückzuführen. (Diese Einladungen können Sie sich natürlich auch selbst geben.) Dies ist insbesondere dann hilfreich, wenn Sie es von sich kennen, dass Sie abschweifen oder die Dinge gerne „im Vagen“ lassen und deshalb nicht weiterkommen. Eine Möglichkeit in der Begleitung an das eigentliche Thema zu erinnern wäre z.B.

 

  • „Nehmen Sie sich Zeit wahrzunehmen, was dies für Sie in Bezug auf __(das Thema)__ bedeutet“
  • „Nehmen Sie wahr, wie dies mit __(dem Thema)__  zusammenhängt“.