Tipps & Tricks Nr. 111 – Der Brückenbauer

Letzte Woche war ich auf einer Coaching-Fortbildung in Middelfart hier im schönen Dänemark. In einer der vielen Sitzungen und Experimente, die wir ausprobiert haben, tauchte ein Wort bzw. ein Bild auf, das mich noch lange begleiten wird. Zusammen mit dem Wort kamen eine deutliche Veränderung und das Gefühl von Weite und Verständnis.

In dieser Sitzung, die nur ca. 15 Minuten dauerte, arbeitete ich mit dem Themenkomplex als Deutscher in Dänemark zu leben. Die Fragestellung an einem Punkt in dieser Sitzung interessierte mich besonders: „Welche Rolle fragt es (also dieses Thema) mich zu übernehmen?“ Oder „Zu wem fragt es mich zu werden?“

Eine Brücke sein

Die Antwort tauchte nach einiger Arbeit als dieses eine Wort / Bild auf: „Jemand, der Brücken baut, der eine Brücke ist, zwischen den Kulturen und Sprachen.“ In dem Moment, in dem sich dies so zeigte, war ich sehr berührt – ich konnte die positive Resonanz und Wirkung ganz klar spüren.

Mit dem Bild fällt aller Ballast ab

Der Ballast all der Gespräche mit deutsch-dänischen Familien fiel auf einmal von mir ab. In diesen Gesprächen ging es (bis auf zwei) darum, dass die eigene Kultur und Sprache „aufgegeben“ oder „aufgeopfert“ wurde bzw. dass „die eigene Zukunft“ ja nun in Dänemark sei – und deshalb die deutsche Kultur und Sprache nicht mehr wichtig sei.

Mir haben diese Ansichten nie gepasst. Sie fühlten sich für mich an wie eine Abkürzung, ein Wegducken oder Ausweichen. Nur in einem Gespräch wurde mir gesagt: „Die Spannung, die du als Deutscher in Dänemark wahrnimmst, ist real. Der einfachere Weg ist es, einfach die eigene Kultur aufzugeben. Und dein Sohn wird sich erst richtig entspannen können, wenn er in einer wirklich internationalen Schule ist.“

Aktiv werden

Heute, jetzt, kann ich spüren, wie anders es ist, eine Brücke zu sein; sich nicht nur abwehren zu wollen, sondern aktiv an einer Verbindung zu arbeiten. Dieses Bild gefunden zu haben ist wie ein Meilenstein. Es öffnet mir Türen. Es ist wie eine kleine Befreiung. Etwas, das im Moment 100% passt.

Diese Fragestellung selbst anwenden

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, möchte ich die o.g. Fragestellung ans Herz legen. Wenn Sie ein wenig Focusing-Hintergrund haben, probieren sie diese Fragen in Bezug auf eine komplexe Situation oder Herausforderung aus. Hier geht es darum, die eigene Rolle zu finden oder in anderen Worten: Wie Sie sich in Bezug auf die Situation selbst verhalten. „Wer“ ist hier gefragt, welche Qualitäten möchten sich in Ihnen entwickeln, um auf Ihrem Weg weiterzugehen?

Sind Sie fasziniert? Erkennen Sie sich wieder?

Wenn Sie diesen respektvollen, unaufgeregten und kontemplativen Ansatz mögen, dann schauen Sie sich gerne an, was es Ihnen bringen kann Focusing zu erlernen.

Herzliche Grüße,
Elmar Kruithoff