3 Nachteile im Leben, die ich nicht mehr in Kauf nehme - weil ich gelernt habe hinzuhören

Ein Leben ohne hinzuhören ist für mich keine Alternative mehr. Es hat einfach zu viele Nachteile. Schließlich bin ich weder erleuchtet noch in ständiger Balance. Ganz im Gegenteil. Mir tut es gut, immer wieder hinzuhören, was eigentlich genau los ist.

All die Schwierigkeiten, die nur dadurch auftreten würden, dass ich mir keinerlei Zeit nähme hinzuhören! Dadurch würde ich mich immer tiefer in meinen automatischen Bewertungen, Annahmen, Erwartungen und Gefühlen verstricken.  Ich würde nicht mehr rechtzeitig mitbekommen, wo meine Grenzen sind oder wenn etwas in mir schmerzt; oder wenn ich z.B. die Erwartungen anderer Menschen erfülle, meine eigenen Wünsche aber nicht einmal selbst kenne.

Etwas Wertvolles: Ein System

Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn ich mir keine Zeit nehme hinzuhören. Ich habe es über Jahre selbst erlebt. Im Unterschied zu früher besitze ich jetzt etwas Wertvolles: Ein einfaches System um hinzuhören; eine Fähigkeit, mit deren Hilfe ich mich innerhalb all der verschiedenen Beziehungen und Herausforderungen meines Lebens klären kann.

Erleichterung, weil ich es jederzeit einsetzen kann

Durch dieses System empfinde ich den direkten Umgang mit Gefühlen und noch unklaren Dingen als Stärke und Bereicherung. Das Wissen, dass ich mich jederzeit hinsetzen kann, um liebevoll zuzuhören, ist sehr erleichternd. Ich weiß: Jede Minute, die ich hierfür verwende, ist richtig eingesetzt. Es hilft mir, kühlen Kopf und ein lebendiges Herz zu bewahren – und zu wissen, wie es weitergeht, wenn ich mich in Rollen, Konflikten oder alten Mustern verheddert habe.

Um deutlicher zu machen, was ich meine, habe ich hier einmal drei grundsätzliche Nachteile beschrieben, die ich durch dieses System nicht mehr automatisch in Kauf nehmen muss: Durch das praktische Erlernen und Üben von Focusing haben sich diese Nachteile in Vorteile gewandelt.

1. Meine Gefühle und Gedanken dürfen nicht so sein, wie sie im Moment sind

Mit Grauen erinnere ich mich noch an die Zeit in meinem Leben, in der ich dachte, bestimmte Gefühle und Gedanken seien nicht in Ordnung und müssten anders sein. Im Nachhinein ist mir klar, wie wenig ich zu der Zeit über Gefühle und Gedanken wusste - und über meinen Körper, der all die inneren Kämpfe ja in unangenehmster Weise zu spüren bekommt.

Anstatt nur darauf zu setzen, nach außen hin erfolgreich und kompetent zu wirken, fing ich an, mich für mein Innenleben zu interessieren; und im unaufgeregten und allparteilichen Zuhören, das ich u.A. im Focusing lernte, konnten mehr und mehr meiner Gefühle Anerkennung, Legitimität und Sicherheit finden. 

Der Vorteil für mich ist, dass ich grundsätzlich in Ordnung bin und keine Energie dafür aufwenden muss, mich gegenüber mir selbst und anderen zu verstellen oder bestimmte Aspekte meines Erlebens auszublenden. Ich muss nicht mehr nur funktionierten. Ich erlebe auch weniger und weniger Ängste in Bezug auf meine Gefühle oder Gedanken. Dadurch habe ich eine Basis bekommen, mich insgesamt freier zu fühlen und entspannt und klar zu kommunizieren.

2. Ich bin blind für meine Bedürfnisse und Wünsche

Wer hätte jemals gedacht, dass ein starkes Bedürfnis in mir die Kontemplation ist? Oder wer hätte jemals gedacht, dass mein Körper sich mit 40 so verändert, dass er sich als allererstes nach intensivem Training, Stärke und Fitness sehnt? Wer hätte angenommen, dass die Geburt meines Kindes den Schmerz und die Freude am Leben zu sein derartig verstärkt? Wer hätte gedacht, wie herausfordernd und erfüllend der Umzug nach Dänemark sein würde, sogar noch fünf Jahre danach? 

Würde ich nicht unvoreingenommen Zuhören können, ich bin mir sicher, dass ich noch weniger dieser Veränderungen in meinem Leben mitbekommen würde. So aber kann ich dem roten Faden in vielen Bereichen folgen – und die entstehenden Wünsche, Ideen und Möglichkeiten artikulieren und dann in die Tat umsetzen.

Der Vorteil für mich liegt auf der Hand: Ich bleibe auf dem aktuellen Stand mit mir und meiner Umgebung. Ich warte nicht, bis ich zu einer Änderung in meinem Verhalten gezwungen werde – sondern erkenne meine Bedürfnisse im Aufkeimen und weiß, wie ich diesen Ausdruck verleihen kann.

3. Ich habe keine Zeit

Am Ende meiner Zeit am Universitätsklinikum in Hamburg hatte ich ein Problem: Ich hatte zu vielen Projekten »Ja« gesagt, obwohl diese mich überhaupt nicht interessierten. Innerlich war ich schon längst ausgestiegen; und ich war nur damit beschäftigt, Dinge zu tun, die ich nicht wollte.  Eine äußerst zeitraubende Sache.

Heute habe ich mehr Zeit, weil ich mir in wichtigen Momenten Zeit nehme. Das muss gar nicht viel sein. Es reicht, innenzuhalten und zu spüren: Möchte ich das? Wie möchte ich das in Zukunft? Ich kenne dies auch von vielen Klienten, mit denen ich gearbeitet habe: Am Anfang sieht es oft so aus, als ob es z.B. aufgrund der Arbeitsbedingungen unmöglich wäre, sich Zeit zu nehmen. Wenn das eigene Verhalten tiefer durchdrungen wird, verändert sich diese Sichtweise meist deutlich – und es wird wieder möglich, sich Zeit zu nehmen.

Der Vorteil liegt darin, sich vom Druck zu befreien und offen dafür zu bleiben, wie die eigenen Ideen und Beiträge aussehen könnten. Indem ich mir Zeit nehme, würdige ich meine eigenen Möglichkeiten zur Mitgestaltung einer Situation.

Diesen Artikel als PDF: 3 Nachteile im Leben, die ich nicht mehr in Kauf nehme

Sind Sie fasziniert? Erkennen Sie sich wieder?

Wenn Sie diesen respektvollen, unaufgeregten und kontemplativen Ansatz mögen, dann schauen Sie sich gerne an, was es Ihnen bringen kann Focusing zu erlernen.

Herzliche Grüße,
Elmar Kruithoff