Innere Kritik

Ständige innere Kritik lähmt und beeinträchtigt das eigene Handeln und die Lebensqualität. Sie fühlen sich attackiert, unter Druck gesetzt und sind Selbstzweifeln ausgesetzt.

Die gängigen Strategien für den Umgang mit solch einem Erleben sind dagegen anzukämpfen, rational zu argumentieren, zu unterdrücken, zuzustimmen oder zu besänftigen. Diese Strategien sind im Allgemeinen nutzlos, weil sie grundsätzlich falsche Annahmen über das Phänomen der inneren Kritik beinhalten.

Wenn Sie lernen, der erlebten inneren Kritik mit anderen Grundannahmen entgegenzutreten, so kann diese empathisch verstanden und konstruktiv für die eigenen Ziele genutzt werden. Es ist dann grundsätzlich klar, dass es keine inneren Anteile im eigenen Erleben gibt, die Schaden zufügen möchten; im Gegenteil handelt es sich um Anteile, die im hohen Masse selbst ängstlich und hilflos sind; und dazu noch ungeschickt in der Kommunikation.

Menschen, die Focusing bei mir lernen, bekommen diese Zusammenhänge zuerst klar strukturiert präsentiert. Erst im zweiten Schritt macht es Sinn, sich mit inneren kritisierenden Prozessen im direkten Erleben auseinanderzusetzen. Durch die Vorbereitung mithilfe neuer und ungewöhnlicher Perspektiven ist das Verstehen und ein anderer, guter Umgang mit eigener Kritik wesentlich einfacher zu erlernen.

Lesen Sie hier, wie Sie mit 5 einfachen Tipps eine ungewöhnliche Perspektive erhalten. Danach erläutere ich, welche Schritte Sie tun können, um diese neue Sichtweise im Alltag verankern zu können.

5 Tipps für den guten Umgang mit innerer Kritik

Innere Kritiker erscheinen uns oft so mächtig, weil wir nicht verstehen, welche Botschaften oder Emotionen in ihnen verborgen sind. Hier sind fünf wichtige Tipps aus der Praxis, die Ihnen helfen, eine gute Beziehung mit inneren Kritikern aufzubauen – ohne sie bekämpfen oder besiegen zu müssen. 
         

1. Der innere Kritiker ist selbst ängstlich

Innere Kritik entsteht aus Sorgen um das eigene Wohlbefinden: Wer seinem inneren Kritiker zuhört, kann erkennen, dass diese auf den ersten Blick mächtig erscheinende Stimme selbst Ängste und Sorgen ausdrückt. Der Satz „Die neue Position ist wohl eine Nummer zu groß für dich“ meint eigentlich „Ich habe Angst, dass die Belastung zu groß für dich werden kann.“ 
            

2. Der innere Kritiker ist hilflos

Ähnlich wie Eltern manchmal aus Sorge und Hilflosigkeit übertrieben heftig auf eine Aktion ihres Kindes reagieren, verhält sich der Innere Kritiker: Er verkörpert einen Aspekt von uns, der selbst keine Kontrolle hat und deshalb versucht uns durch harsche Kritik von seiner Position zu überzeugen. Wer diesen Grundsatz versteht, kann sich seinem inneren Kritiker leichter mitfühlend zuwenden. 
            

3. Der innere Kritiker hat gute Absichten

Unser innerer Kritiker will ausschließlich Gutes für uns erreichen. Hinter der Angst steht beispielsweise der Wunsch, dass wir uns nicht blamieren oder nicht von Anderen - dem Chef oder Kollegen - kritisiert werden. 
             

4. Ich bin nicht das Ziel der Kritik - sondern der Vermittler

Häufig identifizieren wir uns komplett mit dem Teil in uns, der kritisiert wird. Wir fühlen uns als Opfer, stimmen der Kritik zu. Vielleicht rebellieren wir auch dagegen oder verstricken uns in endlose innere Streitgespräche. Oder wir versuchen die Kritik zu ignorieren. Aber all dieser Strategien beruhen auf dem Missverständnis, dass wir uns als Ziel der Kritik sehen. Deshalb hilft es Distanz zu schaffen. Als Person sind wir immer mehr als diese beiden Aspekte. Wir können Kontakt mit beiden inneren Streithähnen aufnehmen und so zu einer Beruhigung dieser Dynamik entscheidend beitragen.
              

5. Der innere Kritiker braucht nicht besiegt zu werden

Nur wer den inneren Kritiker in seiner Angst und Sorge wirklich mitfühlend erlebt, kann verstehen, was er sagen will. Aber: Innere Kritiker können nicht gut kommunizieren. Hinter der harschen Kritik „Du bist nicht gut genug - bewirb dich besser nicht“ kann sich eigentlich die unterstützende Botschaft „Formuliere dieses Mal klare Gehaltsvorstellungen“ verbergen. Wer Frieden mit seinem inneren Kritiker schließt, gewinnt auf diese Weise doppelt: Die Botschaft und verborgenen Emotionen der inneren Kritik können aufgeschlüsselt werden, was zugleich hilft die persönlichen Ziele konkreter und klarer zu definieren. 

 

Die Umsetzung im Alltag 

Im Rahmen des Focusing-Unterrichts zeige ich, wie sich diese Tipps in der Praxis umsetzen lassen. Entscheidend für den Erfolg ist es, dass tatsächlich alle Aspekte mit freundlichem Interesse wahrgenommen werden. Dann sind Sie in der Lage, Kritik nicht mehr als persönlichen Angriff zu sehen. Vielmehr können Sie dann die darin enthaltene Information berücksichtigen, ohne dass das eigene Selbstwertgefühl darunter leidet. 
      
Wenn Sie einen ersten Schritt wagen möchten, mit kritisierenden Prozessen besser umzugehen, dann schauen Sie sich das Orientierungsgespräch an. In diesem Gespräch erörtern wir gemeinsam, wie Ihre Situation ist und welche Ziele und Wünsche Sie haben. Wenn Sie das Gefühl haben, dass ich Ihre Lage ausreichend verstanden haben, kann ich in einem zweiten Schritt Möglichkeiten aufzeigen, wie Sie wirkliche Veränderungen in diesem Bereich erzielen können. Wenn Sie also Ihre Lage gemeinsam mit mir erörtern möchten, so kontaktieren Sie mich am besten jetzt gleich und ich melde mich umgehend bei Ihnen.